Gesundheitsmanagement im Unternehmen - Personalentwickler in der Pflicht

Mitarbeiter sind das wertvollste Gut eines Unternehmens. Ohne Mitarbeiter keine Umsätze, Produktivität und Gewinn. Deshalb kümmern sich Personalentwickler um die Verbesserung ihrer Qualifikationen, aber selten um die Grundlagen der Wertschöpfung: die Gesundheit. Dabei sind es gerade die Personalentwickler, die für ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement in Unternehmen Sorge tragen müssen.

Gesundheitsmanagement wird selten mit Personalentwicklung in Verbindung gebracht - weder organisatorisch noch inhaltlich. Gesundheit wird als selbstverständliches Gut angesehen. Das ist fahrlässig: "Ohne die Kenntnis, welche Krankheiten in den nächsten drei bis fünf Jahren auf die Wirtschaft in Form von Fehlzeiten zukommen, ignorieren Arbeitgeber, dass Gesundheit ein Kapital ist, das hohe Renditen abwirft und Produktivität und Wettbewerbsvorteile sichert", sagt Alexander Gmeiner vom Beratungsunternehmen Terra Sana Life AG.

Langfristige Gesundheitsplanung vor der Bekämpfung von Symptomen
Dabei müssen sich Unternehmen langfristig auf steigende Kosten für Arbeitsausfälle und Gesundheitsversorgung einstellen. Denn etliche Krankheiten sind eine tickende Zeitbombe. So äußern das metabolische Syndrom (Übergewicht und Bluthochdruck) und Diabetes noch keine Symptome, obwohl sie bereits bei vielen Mitarbeitern ausgeprägt vorhanden sind, berichtet Alexander Gmeiner von Terra Sana Life. Außerdem führen Arbeitsverdichtung und die strukturelle Änderung der Arbeitslandschaft zu mehr Zivilisationskrankheiten.

Und dann wäre da noch eine stetig alternde Belegschaft, wobei Arbeitnehmer nicht häufiger krank sind als jüngere, sondern aufgrund schwerwiegenderer Diagnosen tendenziell länger erkranken. Dr. Regina Krause von HDP Health Development Partners: "Health Management entwickelt sich zu einem immer dringenderen Thema für die Personalentwicklung, denn Mitarbeiter haben längere Lebensarbeitszeiten, doch sie sollen nicht ab 50 Jahren ausgepowert sein. In diesem Lebensalter ist es zu spät für wirkungsvolle Maßnahmen. Sinnvoll ist es, früher zu beginnen und sich an die ganze Belegschaft zu wenden."

Systematisch vorgehen
Was also tun? Gemeinschaftliche Walkingkurse, Rückengymnastik und Yoga-Kurse sind zwar gut gemeinte Gesundheitsförderungen, packen das Problem aber nicht an der Wurzel. Alexander Gmeiner: "Das Ziel einer Personalentwicklung, die Gesundheitsmanagement impliziert, ist nicht vorrangig das Senken krankheitsbedingter Fehlzeiten. Gesundheitsmanagement muss systematisch und organisatorisch die Gesundheitskompetenz aller Beschäftigten nachhaltig aufbauen und gesundheitsgerechtere Arbeitsbedingungen fördern."

Eine Strategie zur Gesundheitssteuerung erfordert im ersten Schritt eine Erhebung der erwartbaren Entwicklung, also welche Krankheiten entsprechend des Alters der Belegschaft auf das Unternehmen zukommen. Im zweiten Schritt kann eine Bedarfsanalyse erstellt werden und dann erst folgen konkrete verhaltenspräventive Maßnahmen. Und die setzen in der Führungsebene an. "Die Führungskräfte haben eine Schlüsselposition", so Alexander Gmeiner, "damit sich nachhaltig das Bewusstsein und der Lebensstil der Mitarbeiter verändern und die Unternehmenskultur in die Richtung sozialer, physischer und psychischer Gesundheit beeinflusst wird."

Ein effektives und effizientes Gesundheitsmanagement erfordert zudem die wichtigen betrieblichen Institutionen zu beteiligen. Sie helfen die gesundheitlichen Schwachstellen im Unternehmen herausfinden, beispielsweise über die Diagnoseauswertungen der Krankenkassen - ergänzt durch eine Präsentismus-Erhebung, erläutert Dr. Regina Krause. Auf Basis dieser Ist-Analyse wird eine Strategie entwickelt, die schon vorhandene Gesundheitsangebote einbezieht. Die Investitionen der Arbeitgeber für Gesundheitsmanagement lohnen sich auch monetär, wie man mit Indexzahlen wie dem ROI belegen kann, so Dr. Regina Krause.

Gesundheitssteuerung
Eigentlich erübrigt sich die Frage, ob sich eine funktionierende Wirtschaft gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen leisten kann. Aber trotzdem drängt sich die Frage auf: Wo bleiben die Spielräume für Mitarbeiter und Entscheider, die von vielen Seiten unter Druck stehen, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu leben? Für Mitarbeiter, bei denen die 50-Wochen-Stunde die Regel ist? Die zwischen Zeitzonen hin- und herjetten, von Meeting zu Meeting hetzen und die kaum Zeit haben, sich um ihr Privatleben zu kümmern? Wie können sie unter diesen Rahmenbedingungen das "Luxus"-Gut Gesundheit im Unternehmen verankern? Alexander Gmeiner, Terra Sana Life: "Sie werden zukünftig dazu gezwungen sein, denn die demographischen und technologischen Veränderungen, der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter und die verlängerten Arbeitslebenszeiten erfordern ein gründliches Umdenken, wenn der Einzelne und Unternehmen im Wettbewerb bestehen wollen." Wenn Gesundheit als wertschöpfender Faktor begriffen wird, dann wird er zukünftig zumindest den gleichen Rang einnehmen, wie technische Schulungen an Maschinen oder die betriebswirtschaftliche Weiterbildung.
 
Von Christiane Siemann