Gesetzliche oder private Krankenversicherung?

Besserverdienende haben die Wahl, ob sie ihre Gesundheit gesetzlich oder privat versichern wollen. Wer zur privaten Krankenversicherung wechseln will, sollte sich vorab gründlich über Vor- und Nachteile informieren.

Gesetzlich oder privat - das ist für viele eine Entscheidung fürs Leben. Denn wer sich einmal für die private Krankenversicherung entschlossen hat, kann nur in wenigen Ausnahmefällen zurück in die gesetzliche. Ein Blick auf die heutige Lebenssituation reicht dabei nicht aus - auch künftige Lebensplanungen sollte man bei seinen Überlegungen mit einbeziehen.

Gesunde, junge Single-Männer sind bei einer privaten Krankenversicherung (PKV) gut aufgehoben. Denn die Versicherungsbeiträge werden nicht, wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), nach dem Einkommen berechnet, sondern nach dem Alter und dem Gesundheitszustand des Versicherten. Dazu muss ein Fragebogen zur gesundheitlichen Vorgeschichte ausgefüllt werden. Frauen zahlen von Beginn an mehr als Männer, zum einen, weil sie im Durchschnitt länger leben, zum anderen wegen einer möglichen Geburt, die - weil kostspielig - ein höheres Risiko für die Versicherung bedeutet.

Familienwunsch wird teuer
Hegt allerdings auch der junge Mann den Wunsch nach einer Familie, sollte er sich den Wechsel gut überlegen. Denn im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung, in der die ganze Familie mitversichert ist, muss in der privaten für jedes Kind eine eigene Versicherung abgeschlossen werden. Bei zwei- oder sogar dreifachem Nachwuchs wird es also teuer.

Die privaten Krankenversicherungen locken ihre potenziellen Kunden gern mit günstigen Einstiegsbedingungen. So zahlt man zu Beginn der Versicherung in der Tat meist weniger als bei der GKV, und in beiden Fällen zahlt der Arbeitgeber die Hälfte der Versicherungskosten. Doch die Beitragssteigerungen der PKV werden im Laufe der Jahre höher ausfallen als in der gesetzlichen, wie die Vergangenheit zeigte. Daher empfehlen Experten, das ersparte Geld in jungen Jahren anzulegen, um sich im Alter den dann höheren Beitrag leisten zu können.

Wem die Beiträge später zu hoch sind, der kann ab 55 Jahren in den Standardtarif wechseln, der nur noch die Leistungen anbietet, die auch die GKV erbringen würde. Voraussetzung für den Standardtarif: Man muss vor seinem 55. Lebensjahr mindestens zehn Jahre lang privat krankenversichert gewesen sein. Eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist nach dem 55. Lebensjahr nicht mehr möglich, und vorher auch nur, wenn das Einkommen dauerhaft unter die Versicherungspflichtgrenze fällt.

Chefarzt wird bezahlt
Der größte Vorteil einer privaten Versicherung sind ihre besseren Leistungen: Während die GKV in den vergangenen Jahren immer weniger der anfallenden Krankenkosten übernommen hat, sind die Leistungen der PKV vertraglich festgeschrieben und nicht mehr veränderbar. Sie können je nach Bedarf frei vereinbart werden und reichen von Chefarztbehandlung und Einzelzimmer bis hin zur Kostenübernahme für Naturheilverfahren und alternative Heilmethoden.

Nicht jeder, der gern in die private Krankenversicherung wechseln möchte, bekommt allerdings die Chance dazu. Die Wahl zwischen privat und gesetzlich können bisher nur besserverdienende Angestellte treffen. Die Grenze, ab der ein Wechsel zu den Privaten möglich ist, liegt im Jahr 2007 bei einem Jahreseinkommen von 47.700 Euro. Neu ist allerdings die Regelung, dass Angestellte erst wechseln können, wenn ihr Einkommen bereits drei Jahre lang hintereinander über der Versicherungspflichtgrenze gelegen hat. Bis 2006 konnten sie sich schon zum Ende des Kalenderjahres, in dem sie die Pflichtgrenze überschritten haben, privat versichern lassen.

Wer nicht in die PKV wechseln, sich aber dennoch den Luxus eines Privatpatienten gönnen möchte, kann zum Beispiel für stationäre Behandlungen oder Zahnersatz eine private Krankenzusatzversicherung wählen. Diese sollte aber erst abgeschlossen werden, gibt der Bund der Versicherten zu bedenken, wenn alle anderen wichtigen Risiken - wie Haftpflicht oder Berufsunfähigkeit - bereits in ausreichender Höhe versichert sind.
 
Von Sabine Olschner