Geschichten erzählen

Erzähl mir doch keine Märchen ... "Doch!", meinen Kommunikationsberater, denn wer seine Botschaften in Geschichten verpackt, vermittelt sie mit dem sogenannten Storytelling weit wirkungsvoller als über trockene Präsentationen und Reden.

Schon seit Urzeiten erzählen sich die Menschen Geschichten, um ihr Wissen an andere weiterzugeben. Diese Tradition, Informationen in Handlungen zu verpacken, hat in den vergangen Jahren allerdings an Bedeutung verloren. Heutzutage zählen vielmehr Daten, Zahlen, Fakten. Das ist schade, meint zum Beispiel Kommunikationsexpertin Sigrid Hauer, die Seminare zum Thema Storytelling anbietet. Denn: "Geschichten verknüpfen Fakten mit Emotionen wie Spaß, Spannung oder Verblüffung. Je ausführlicher man das, was man anderen vermitteln will, ausmalt, umso mehr Kraft entwickelt eine Geschichte."

Storytelling liefert trockene Fakten in spannenden Geschichten
Als Beispiel für den Einsatz von Storytelling nennt Sigrid Hauer etwa die jährliche Bilanzpressekonferenz. Normalerweise stellt ein Vertreter des Unternehmens den Medien unzählige Folien mit aktuellen Umsatzzahlen, Gewinnmargen, Geschäftsentwicklungen und anderen unspannenden Kennzahlen vor. "Um das Ganze für die Journalisten und damit für die Leser und Zuschauer interessanter zu machen, wäre es viel besser, der Unternehmensvertreter würde mit Engagement und Leidenschaft erzählen, welche Heldentaten sein Unternehmen im vergangenen Jahr vollzogen hat: Was haben die Mitarbeiter der Firma geleistet? Welche Aufgaben musste das Unternehmen stemmen? So etwas bleibt viel besser in den Köpfen der Zuhörer hängen."

Auch Workshop-Ergebnisse lassen sich gut in Geschichten verpacken: Jede Gruppe stellt ihre Erkenntnisse in Form einer Erzählung vor, die sie sich gemeinsam ausgedacht hat. "Die Ziele, die in den Workshops erarbeitet wurden, werden dadurch anschaulicher und prägen sich besser ein, als wenn man nur eine Spiegelstrich-Liste am Flipchart präsentieren würde", so Sigrid Hauer. Wichtig bei allen Geschichten, die erzählt werden: Der Zuhörer muss sich mit den "Helden" der Story identifizieren können. Im Prinzip lassen sich auf diese Weise sämtliche Vorträge, Reden und Präsentationen mit dem Einflechten von Geschichten aufpeppen.

Aufmerksamkeit und Kreativität als Grundlage
Sie können sich keine spannenden Erzählungen ausdenken? "Jeder hat Geschichten zu erzählen", widerspricht Sigrid Hauer. Natürlich käme eine gute Geschichte nicht immer auf Befehl, manchmal brauche man jemanden, der hilft, diesen Schatz zu heben. Ein guter Erzähler kann übrigens auch sehr gut zuhören - und erfährt dadurch Erlebnisse, die er später vielleicht für seinen Auftritt einsetzen kann. Und nicht zuletzt können Kreativitätstechniken helfen, aus trockenen Beiträgen anregende Darbietungen zu machen. Das macht die Sache nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für den Vortragenden interessanter.
 
Von Sabine Olschner