Geld motiviert - aber nur relativ

Wie zufrieden ein Mitarbeiter mit seinem Gehalt ist, hängt maßgeblich davon ab, wie viel sein Kollege verdient. Das haben Ökonomen und Hirnforscher der Universität Bonn herausgefunden. Bei dem Experiment ließen die Wissenschaftler Versuchspersonen paarweise gegen Bezahlung eine einfache Aufgabe durchführen und untersuchten währenddessen ihre Hirnaktivität.

Bekam ein Teilnehmer mehr Geld als sein Mitspieler, zeigte sein "Belohnungszentrum" eine weit stärkere Aktivierung, als wenn beide dieselbe Summe erhielten.

Für die Studie, die Ende November im renommierten Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht wird, mussten sich die Teilnehmer in zwei nebeneinander stehende Magnetresonanz-Tomographen legen. Darin sollten sie parallel dieselbe Aufgabe durchführen: Auf einem Bildschirm erschien eine gewisse Anzahl Punkte, deren Menge die Probanden schätzen mussten. Danach wurden sie informiert, ob sie richtig getippt hatten. Falls ja, erhielten sie eine Belohnung, die von 30 bis 120 Euro reichte. Gleichzeitig wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Spielpartner erfolgreich gewesen war und welchen Lohn er dafür einstreichen konnte. An dem Versuch nahmen 38 Männer teil.

Der Tomograph erfasste währenddessen, in welchen Hirnregionen der Testpersonen sich die Durchblutung änderte. In gut durchbluteten Gebieten gelten die Nervenzellen als besonders aktiv. Dabei wurde eine verstärkte Aktivität im ventralen Striatum registriert - einer Region, in der ein Teil des so genannten Belohnungssystems sitzt. "Wir beobachteten dort eine Aktivierung, wenn der Spieler die Aufgabe richtig gelöst hatte", sagt Bernd Weber, Leiter der Arbeitsgruppe NeuroCognition-Imaging am Life & Brain Institut. Hatte der Teilnehmer dagegen mit seiner Schätzung daneben gelegen, nahm die Aktivität seines ventralen Striatum ab. Erstaunlicherweise spielte es aber auch eine Rolle, wie der Teilnehmer im zweiten Scanner abgeschnitten hatte. Am höchsten war die Aktivierung bei denjenigen, die richtig getippt hatten, während ihr Mitspieler sich verschätzt hatte.

Die Forscher nahmen nun die Fälle genauer unter die Lupe, bei denen beide Partner die Zahl der Punkte korrekt geschätzt hatten. Erhielten die Teilnehmer dafür dieselbe Bezahlung, kam es zu einer vergleichsweise geringen Aktivierung des Belohnungszentrums. Bekam dagegen ein Spieler beispielsweise 120 Euro, sein Partner aber nur 60 Euro, fiel die Aktivierung bei Spieler 1 viel höher aus. Bei Spieler 2 nahm die Durchblutung des ventralen Striatum dagegen sogar ab - obwohl er die Aufgabe ja richtig gelöst hatte und dafür auch belohnt worden war. "Das Belohnungszentrum ist der stärkste Treiber unseres Verhaltens und damit auch für unsere Motivation", erklärt Weber. Zumindest Männer scheinen daher eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu ziehen. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob das auch bei Frauen so ist.

"Das Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen ökonomischen Theorie", erklärt der Bonner Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk. "Danach sollte es nur auf die absolute Höhe der Entlohnung ankommen." Es ist das erste Mal, dass die These mit Hilfe eines derartigen Experiments widerlegt wurde. Dabei haben sich Wissenschaftler um den Hirnforscher Professor Christian Elger und den Ökonomen Professor Armin Falk am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) zusammengetan. Gemeinsam wollen sie künftig mehr darüber herausfinden, wie der "Homo oeconomicus" am Arbeitsplatz tickt.

So haben etliche Experimente der Verhaltensökonomik das ökonomische Menschenbild, wonach der Mensch stets rational und eigennützig handelt, längst widerlegt. Denn wir entscheiden irrational und emotional, sind altruistisch und legen großen Wert auf Fairness und Vertrauen. "Die Basisannahme der Ökonomen von der rationalen Nutzenmaximierung ist daher obsolet", erklärt Professor Birger P. Priddat, Volkswirt an der Privaten Universität Witten/Herdecke und Herausgeber des Buches "Neuroökonomie". Nun wollen die Hirnforscher die Erkenntnisse auch neurophysiologisch untermauern. Allerdings steckt der neue Forschungszweig noch in den Kinderschuhen. "Man kann die Ergebnisse nur auf dem derzeitigen Stand der Hirnforschung interpretieren und der ist noch niedrig", gesteht Neuroforscher Weber. Sein Fazit aus der Studie: Für ein Unternehmen ist es besser, wenn die Mitarbeiter untereinander nicht über ihr Geld reden.
 
Von Bärbel Schwertfeger