Gehaltsverhandlungen während des Vorstellungsgesprächs - ein No-Go?

Geld ist immer ein heikles Thema, insbesondere während des Vorstellungsgesprächs und erst Recht wenn dieses in den amerikanischen oder englischen Breiten stattfindet. Erst deutlich später, in den Vertragsverhandlungen, findet es dort Beachtung. Wer das Gehalt trotzdem vorher anspricht, fliegt meist schon vorzeitig aus dem Rennen. Es sei denn, in der Stellenausschreibung wurde explizit erwähnt, dass das Unternehmen für Verhandlungen bereit ist. Dies ist an der Abkürzung neg. für negotiable zu erkennen. 

Zurück nach Deutschland. Auch hier gehört das Gehalt zu den Themen, die vom Personaler angerissen werden. Lediglich, wenn es beim zweiten Gespräch noch nicht auf den Tisch gekommen ist, kann man es vorsichtig ansprechen. Das Thema komplett zu ignorieren, ist ebenfalls der falsche Weg. Insbesondere, wenn explizit in der Anzeige danach gefragt wird. Eine gesunde Einschätzung zeigt dem Personaler, dass der Bewerber über seinen Marktwert Bescheid weiß. Spätestens beim Telefoninterview wird sowieso nachgehakt, falls der Kandidat bis da noch nicht schriftlich darauf eingegangen ist. Gerade für kleinere Unternehmen ist dieser Punkt wichtig, um herauszufinden, ob sie sich den Bewerber überhaupt leisten können.

Der Gehaltswunsch an sich sollte nicht zu abgehoben sein und sich an vergleichbaren Positionen und den eigenen Fähigkeiten orientieren. Will man die Frage nicht mit einer direkten Zahl beantworten, kann man sie geschickt mit Floskeln wie „Meine Gehaltsvorstellungen messen sich an meinem momentanen Gehalt” umgehen. Die Angst, ein zu hohes Gehalt zu fordern, ist oft unbegründet. Selbst wenn das passieren sollte, ist das kein alleiniger Grund aus dem Bewerbungsprozess auszuscheiden.

Auch wenn die Traumvorstellungen vom neuen Gehalt nicht so eintreffen wie vorgestellt, sollte man noch andere Faktoren wie Dienstwagen oder Urlaubsgeld im Blick behalten. Darüber lässt sich meist entspannter verhandeln als über das eigentliche Gehalt. AproposUrlaubstage oder auch Weihnachtsgeld. Hier gelten in den USA und Großbritannien ebenfalls landesübliche Regelungen, die man vor Vertragsabschluss gründlich durchgegangen sein sollte.

Ein interessanter Fall zum Schluss: Was passiert, wenn im Vertrag plötzlich was anderes steht als mündlich vereinbart wurde? Der Bewerber kann zwar drauf aufmerksam machen, aber den offiziellen Rahmen bietet erst der Vertrag. Für alles andere müsste er beweisen, was im Gespräch gesagt wurde, beispielsweise per Protokoll. Das könnte beim zukünftigen Chef jedoch sehr komisch ankommen.