Gehalt allein motiviert Leistungsträger nicht zum Wechsel

Fach- und Führungskräfte werden auch weiterhin gut verdienen. Besonders attraktiv sind Gehälter dort, wo die Branche boomt und heftig um qualifizierte Mitarbeiter gerungen wird wie im Maschinenbau oder in der Softwareentwicklung. Vielen Firmen ist aber nicht bewusst, dass sie ihren Leistungsträgern spannende Aufgaben bieten müssen. Denn gutes Geld allein zieht im Personalmarkt nicht mehr.

Geld regiert die Welt - wer würde dem schon widersprechen? Ein hohes Einkommen, verbunden mit klassischen Statussymbolen wie Sekretärin, Firmenwagen und einem großzügig ausgestatteten Büro dürfte der Traum vieler Menschen sein, die auf der Karriereleiter ganz nach oben klettern wollen. Doch in ihrem Oberstübchen sind karriereorientierte Fach- und Führungskräfte nicht nur aufs Geldverdienen geeicht. Ebenso wenig zeichnen sie sich primär durch hierarchisches Denken aus, getreu dem Motto: ich hier oben, ihr da unten.

Wie Studien belegen, spornen sich Menschen erst dann zu Höchstleistung an, wenn ihnen herausfordernde Aufgaben überantwortet werden und sie mit hochgradig motivierten Mitarbeitern an kreativen Lösungen arbeiten dürfen. "Das Gehaltspaket muss stimmen", sagt die Berliner Unternehmensberaterin Anke Hunziger. Doch das sei nur die halbe Wahrheit: "Fach- und Führungskräfte wollen an der Firmengeschichte mitschreiben."
Dass Leistungsträger nicht in erster Linie von hohen Gehältern angetrieben sind, hat Heinrich Pletschacher zufolge Konsequenzen für die Einstellungspolitik. "Um den richtigen Kandidaten für eine verantwortungsvolle Position auszuwählen", empfiehlt der Landshuter Unternehmensberater, "muss die Attraktivität der Aufgabe ins Zentrum rücken." Pletschacher hat selbst als Marketingleiter für Firmen der internationalen Softwareindustrie gearbeitet. Gerade in wissensgetriebenen Branchen, sagt er, komme es darauf an, Leistungsträgern breiten Raum zur persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung zu geben. "Dies motiviert weit mehr als ein attraktives Gehalt."

Doch mit spannenden Aufgaben allein ist noch kein Staat zu machen. Jeder Führungskraft muss klar sein: Erfolg fürs Unternehmen stellt sich nur dann ein, wenn das Team mitzieht und man sich aufeinander verlassen kann. Eine bessere Bedingung kann sich auch Theodor Neul kaum vorstellen. Der Business Development Manager eines deutschen Maschinenbauers ist ständig auf Achse, um Kunden zwischen Stockholm und Istanbul zu besuchen und Vertriebskollegen sowie Handelspartner zu Höchstleistungen anzuspornen. "Mein Job füllt mich nicht allein deshalb aus, weil ich viel reise und mich auf wichtige Führungsaufgaben konzentrieren kann", redet Neul Klartext. "Am reizvollsten ist, mich mit Menschen aus völlig verschiedenen Kulturen unmittelbar austauschen zu können."

Gern mit Menschen zu arbeiten, gemeinsam Ideen zu entwickeln und sichtbare Spuren zu hinterlassen in der Erfolgsgeschichte eines Unternehmens sind die wahren Impulsgeber der heutigen Leistungsträger. Die andere Seite der Medaille: Solche Mitarbeiter sind überall gesucht und daher schwer zu finden. Grund genug für viele Firmen, sich bei der Suche nach den richtigen Kandidaten an einen Personalberater zu wenden. Was nicht unbedingt von Erfolg gekrönt ist. "Viele Headhunter haben den Sinneswandel noch nicht nachvollzogen", wundert sich ein Softwareunternehmer aus Nordrhein-Westfalen. Fixiert auf ihr Honorar, das sich an der Dotierung der Position bemisst, würden viele Personalberater das attraktive Umfeld der Aufgabe niedriger bewerten als die Vergütung. Ein Trugschluss bei der Kandidatenansprache, wie der High-Tech-Manager weiß: "Führungskräfte nicht nur in der Informatik lassen sich schon lange nicht mehr mit Geld ködern."

Das hat weitreichende Konsequenzen, so präsentieren Headhunter nicht selten Kandidaten, die einfach nicht zum Unternehmen passen. Das ärgert nicht nur Personal suchende Arbeitgeber, sondern zunehmend auch durchaus wechselwillige Fach- und Führungskräfte, beobachtet Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Führungskräfte (VdF) in Essen. Immer mehr Leistungsträger würden deshalb eine Zusammenarbeit mit Headhuntern ablehnen. "Lieber bewirbt man sich allein."
 
Von Winfried Gertz