Gebote für alle verbessern das Betriebsklima

Der deutschen Wirtschaft könnte es glänzend gehen - wenn in den Betrieben das Arbeitsklima besser wäre. "Unsere Gesprächspartner in Unternehmen und Organisationen sprechen von Produktivitätsreserven in der Größenordnung von 20 bis 60 Prozent durch ein besseres Betriebsklima," ist Stephan Schütze, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung SSC Stephan Schütze (&) Kollegen, überzeugt.

Doch statt vertrauensvollen Miteinanders herrscht in deutschen Unternehmen Hauen und Stechen. Zu diesem Fazit kommt jedenfalls die Management-Beraterin Svenja Hofert in ihrem Buch "Jeder gegen Jeden". Allerdings ist ein gutes soziales Klima nur die Grundlage für ein produktives Arbeiten, wie Dr. Klaus Kock, Soziologe und Mitarbeiter der Sozialforschungsstelle Dortmund, betont. Er warnt: "Eine Verbesserung des Betriebsklimas wird zwar in der Regel die Kooperation im Betrieb verbessern, doch die Leistung kann trotzdem sinken". Denn entscheidend sei, die Leistungsbereitschaft gut gelaunter Mitarbeiter auch durch gutes Management auszuschöpfen. Auch Berater Schütze sieht das so. Für ihn ist ein gutes Betriebsklima deshalb eine Management-Aufgabe, die ganz pragmatisch auf eine Erhöhung der Produktivität abzielt.

Für beide Experten ist die Förderung der Kommunikation eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Betriebsklima zu verbessern. Kommunikation ist wie ein Schmierstoff fürs Sozialverhalten - aber auch mehr als nur "miteinander reden". Entscheidend ist laut Kock die bewusste Einbindung von Kommunikation in alle Arbeitsprozesse. Auch außerhalb von Meetings müsse ein regelmäßiger und geregelter Austausch von Informationen über die das gesamte Unternehmen betreffenden Ereignisse erfolgen. Nur gut informiert fühlten sich alle - Manager wie Mitarbeiter - in den Gesamtprozess eingebunden. Und: Nur gut informierte Mitarbeiter könnten eigene Ideen entwickeln, wie die Arbeit effizienter und produktiver gestaltet werden kann, und so dem Unternehmen nützen. Schütze ergänzt: "Entscheidend ist immer, dass das Management nicht nur den Willen zum Kommunizieren verkündet, sondern dieses dann auch wirklich umsetzt und sich selbst daran hält."

Ein sehr wichtiger Punkt ist für Kock zudem der Respekt, der im Führungsstil des Managements deutlich werden müsse. "Auch das Management muss die Abhängigkeit von seinen Mitarbeitern anerkennen", so der Soziologe. Das muss aber laut Schütze nicht zu Gleichmacherei führen. "Ein guter Führungsstil ist vor allem geprägt von Konsequenz und Glaubwürdigkeit," sagt der Berater. "Nach dem Motto 'Streng, aber gerecht' können Sie Ihre Mitarbeiter besser motivieren als durch den 'Guten Onkel'."

Zum Thema Respekt gehört auch, wie in einem Unternehmen mit Konflikten umgegangen wird. Schütze rät, Konflikte unbedingt auszutragen: "Wo Konflikte tabu sind, macht die Arbeit krank." Allerdings darf laut Kock die in einer Firma gepflegte "Konfliktkultur" eben nicht mit einem allgemeinen Hauen und Stechen verwechselt werden, wie es Svenja Hofert in ihrem Buch beschreibt. Streit sollte stets zu einem Interessensausgleich führen.

Eine ganz konkrete Maßnahme, die Produktivität zu steigern, sieht Schütze in regelmäßigem, fundiertem Feedback an die Mitarbeiter durch das Management. So könnten Arbeitsabläufe kontinuierlich verbessert werden. Auch wisse derjenige, dessen Arbeit eingeschätzt wird, woran er ist.

Dazu passt der Rat von Schütze, Regeln aufzustellen und einzuhalten. Menschen wollten wissen, woran sie sind. "Es sollte klare Gebote geben, die das Miteinander und die täglichen Arbeitsprozesse beschreiben - Gebote, die für alle gelten". Diese "Betriebsgebote" können zum Beispiel regeln, wann und wo ein Mitarbeiter Anrecht auf Gespräche mit seinem Vorgesetzten hat. Sie können auch festlegen, was im Falle von Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern zu tun ist, auf welche Weise bestimmte Prozesse immer wieder überprüft werden oder welche Mitspracherechte Arbeitnehmer haben.

Geregelt werden sollten aber auch ganz konkrete Dinge wie zum Beispiel die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Denn auch ein Schreibtisch mit ausreichend Licht, frischer Luft und dem richtigen Bürostuhl trügen erheblich zur Leistungssteigerung bei. Und schließlich erinnert Schütze daran, dass Abwechslung auch das Arbeitsleben leichter macht. Niemand erledige gern ständig das Gleiche. Deshalb sein Rat: "So weit es der Arbeitsplatz zulässt, sollten Anforderungen und Aufgaben regelmäßig wechseln."
 
Von Jost Burger