Fusion International - Kollision der Kulturen

In der Wirtschaftskrise müssen Unternehmen sparen. Viele kommen auf die Idee, mit anderen Betrieben zu fusionieren oder sie gleich zu übernehmen. Doch Firmenehen sind voller Tücke, vor allem internationale.

"Den Grundstein für eine erfolgreiche Firmenehe", sagt die Unternehmensberaterin Monika Rösler aus Idstein, "legen eben nicht die harten Fakten der Betriebswirtschaft". Was Investmentbanker, Due-Diligence-Berater und Finanzanalysten unterschätzen: Zwei Drittel aller Fusionen scheitern auch deshalb, weil Vorurteile und Ängste im Spiel sind und anders als Cashflow oder Eigenkapitalrendite nicht hinreichend berücksichtigt werden. Laut Rösler ist es ein "Balanceakt", verschiedene Kulturen in Einklang zu bringen und ihre Potentiale maximal zu erschließen.

Klischees und unterschiedliche Ansichten erschweren Fusion
Leichter gesagt als getan. "Italienische Sorgfalt, deutsche Lebenslust und englische Kochkunst", fasste Peter Ustinov einmal seine schlimmste Horrorvision zusammen. Gängige Stereotype sind also mit im Spiel, wenn etwa deutsche und britische Firmen auf Brautschau gehen. Unter den Mitarbeitern eines Münchener Familienbetriebs, der sich anschickte, mit einem englischen Fast-Food-Imperium zu fusionieren, grassierte die Furcht, sich einem arroganten Partner auszuliefern - "stiff upper lip" eben. Auch an der Themse machten sich Stolz und Vorurteil breit: "Ich habe keine Lust", wird ein Qualitätsmanager in einer Zeitung zitiert, "zugunsten eines Bratwurstfressers entlassen zu werden".

Hier die dynamischen Briten, dort die schwerfälligen Deutschen - derlei Klischees bringen die Gemüter heftig in Wallung. Auch in Sachfragen liegen die Positionen oft weit auseinander, wie sich im Fusionsbeispiel an der Führungskräfteentwicklung veranschaulichen lässt: Während der britische Lebensmittelkonzern sich rühmte, die talentiertesten Kräfte aus der ganzen Welt wie ein Magnet anzuziehen, hielt der deutsche Partner sein eigenes Karrieremodell für unübertroffen.

Brücken bauen
Warum sich Briten und Deutsche immer wieder missverstehen, dokumentieren Studien der Universität Jena. Briten sehen sich selbst viel großzügiger. Sie betrachten auch Probleme großzügiger, globaler und weniger im Detail: "anything goes". Und die Höflichkeit verbietet ihnen, gezielt auf Schwächen des Partners hinzuweisen. Deutsche Führungskräfte sollten dies nicht als Fehler, sondern schlicht als andere Verhaltensweise akzeptieren. In geschäftlichen Beziehungen sollten sie sich nicht allein auf harte Fakten konzentrieren, sondern ihren britischen Gesprächspartnern zuerst signalisieren, dass ihnen auch an guten persönlichen Kontakten und einem angenehmen Arbeitsklima gelegen ist. Allein dieser Aspekt wird am meisten ignoriert.

Für Zündstoff ist also gesorgt, wenn sich Briten und Deutsche begegnen. Fusionen, sagt Rösler, könnten gelingen, wenn ihnen eine gemeinsame Vision zu Grunde liegt, in der jeder "sein Gesicht wahren" kann. Aufhören, wie ein Brite oder ein Deutscher zu denken, ob der Kultursprung gelingt, steht in den Sternen.
 
Von Max Leonberg