Führungskräfte in gnadenlosem Konkurrenzkampf

Der Konkurrenzkampf unter Managern wird immer größer, nicht zuletzt, weil die Aufgabenvielfalt seit Jahren zunimmt. In immer kürzeren Abständen sind Urteile zu fällen und Entscheidungen zu treffen, die zum Teil von globaler Wirkung sind. Viele Führungskräfte scheitern daran und verlieren ihre Jobs. In Zukunft ist daher ein neuer Managertyp gefordert. Doch was ihn auszeichnen sollte, bleibt umstritten.

Auf den ersten Blick geht es Führungskräften in der Wirtschaft besser denn je. Im Vergleich zu allen übrigen Beschäftigten wächst ihr Einkommen überproportional, was eine Vielzahl von Gehaltsstudien eindrucksvoll bestätigt. Die Schattenseite wird allerdings bewusst ausgeblendet in den einkommensfixierten Untersuchungen: Überall rollen die Köpfe. Noch nie wurden so viele Manager entlassen wie heute.

Insidern zufolge ist die aktuelle Managergeneration kaum noch in der Lage, ihren Aufgaben erfolgreich nachzugehen. Viele stecken in der "Zufriedenheitsfalle": Sie ruhen sich auf ihrem Status aus, vernachlässigen Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu Mitarbeitern herzustellen. Die Wirkung ihrer Arbeit ist ihnen einerlei. In ihrer scheinbaren Idylle richten sie es sich lieber behaglich ein.

In der Wirtschaft ist nichts mehr, wie es einmal war. Der Arbeitgeber bietet Sicherheit, der Mitarbeiter antwortet darauf mit Loyalität - dieses Modell taugt nicht mehr. Auch für Manager als leitende Führungskräfte habe es ausgedient, davon ist zumindest Axel Guepner felsenfest überzeugt. Guepner war 25 Jahre in leitenden Positionen in der Chemie- und Halbleiterindustrie sowie in der Finanzdienstleistung und baut seit einem Jahr eine neue internationale Tochtergesellschaft der Allianz in München auf.

Bei der Rekrutierung von Führungskräften legt Guepner die Messlatte ziemlich hoch. "Sie müssen für Diversity einstehen, globale Prozesse steuern können und sich in einer hochgradig leistungsorientierten Organisation zu Hause fühlen", skizziert er das Anspruchsprofil. Klar ist auch, dass Manager künftig länger als bisher üblich arbeiten und stets bereit sein müssen, sich durch lebenslanges Lernen auf unvorhersehbare Entwicklungen vorzubereiten. "Mit Unsicherheit umzugehen ist die große Kunst der künftigen Managergeneration", ist Guepner überzeugt.

Freilich sind die von der Allianz-Tochter favorisierten Entscheidungsträger keine homogene Managergruppe. Werden für bestimmte Aufgaben eher "Karriereristen" gesucht, deren gesunder Egoismus ihnen selbst aber auch der Firma auf die Sprünge hilft, sind so genannte "Fast Tracker" ebenso hoch gehandelt. Darunter fasst Guepner vor allem jüngere, dynamische Nachwuchskräfte zusammen, die als mehrsprachige High Potentials "hungrig auf spannende Herausforderungen" sind.

Ein besonderes Augenmerk gilt einer weiteren Gruppe, den "Free Agents". Formal als Projekt-Manager befristet für ein oder zwei Jahre rekrutiert, sollen diese Manager die wohl kritischsten Aufgaben übernehmen. Guepner sagt offen warum: "Diese Leistungen können wir von unseren langjährig angestellten Führungskräften einfach noch nicht erwarten." Hatten sich viele Wirtschaftsbranchen schon vor Jahren auf überfällige Veränderungen eingestellt, ist die Versicherungsbranche erst mit Verspätung auf diesen Zug aufgesprungen. Mit dem erzwungenen Wandel auf vielen Ebenen sind viele Führungskräfte einfach überfordert. Was umgekehrt nichts anderes bedeutet: Leistungsträger in der globalen Ökonomie sind gut beraten, sich auf eigene Füße zu stellen.
 
Von Winfried Gertz