Führungskräfte im Durchmarsch - nach mir die Sintflut

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Dieses Motto nehmen sich vor allem deutsche Manager zu Herzen, so eine Studie des Münchner Online-Portals Experteer.de. Bei einer Befragung von 2.500 Führungskräften aus ganz Europa über ihre Karrieremotive kam tatsächlich heraus, dass nur drei Prozent auf den guten Klang des Arbeitgebernamens Wert legen.

Reisende soll man nicht aufhalten. Und an unsicheren Kantonisten, jederzeit zum Absprung bereit, besteht zumindest in deutschen Chefetagen offenbar kein Mangel. Nur in der Alpenrepublik Österreich ist unter Führungskräften die Ignoranz gegenüber den Imagekampagnen ihrer Firmen noch größer ausgeprägt. Employer Branding - war da was?

Kohorten opportunistischer Leistungsträger, denen schnuppe ist, was sie anrichten, dürfen sich angesichts der anziehenden Konjunktur über weiteren Zulauf freuen. Wenn das Personalkarussell wieder in Schwung gerät, haben Headhunter alle Hände voll zu tun. Schnell sind passabel auftretende und zumindest von der Papierform hervorragend geeignete Kandidaten für attraktive Positionen gefunden. "Warum sollte ich gegenüber dem Arbeitgeber loyal sein", fragen sich Karrieristen gar nicht mal zu Unrecht, "wenn ich selbst stets damit rechnen muss, von heute auf morgen vor die Tür gesetzt zu werden?" Mitarbeiterbindung - war da was?

Es reizen vor allem spannende Aufgabenbereiche
Was die im höchsten Maße wechselwilligen Leistungsträger tatsächlich zum Jobwechsel animiert, sind der Studie zufolge vor allem spannende Aufgaben. Knapp 60 Prozent der deutschen Führungskräfte lassen sich davon beeindrucken. Auf die Förderung durch Vorgesetzte legt man hingegen kaum Wert. Lediglich 17 Prozent bekennen sich hierzu. Auch das Betriebsklima spielt als Kriterium für die Jobwahl keine ernsthafte Rolle. Gerade einmal jeder fünfte Befragte achtet auf die Stimmungslage im neuen Kollegenkreis.

Coach für Karrieristen
An Bedeutung zugelegt hat hingegen der Coach. 18 Prozent der deutschen Manager haben bereits einen Coach, während 40 Prozent planen, einen persönlichen Ratgeber für das Hauen und Stechen im betrieblichen Alltag in Anspruch zu nehmen. Dieser Perspektive erteilen Führungskräfte in anderen Ländern eine deutliche Abfuhr. Zwei Drittel der befragten Italiener haben das Coaching bereits wieder aufgegeben. Noch weniger halten Briten von der persönlichen Karriereberatung. Knapp 40 Prozent sehen darin keine Relevanz für ihren beruflichen Erfolg und lehnen es ab.
 
Von Max Leonberg