Frauen bevorzugt - MBA-Schulen werben um Studentinnen

Die Zahl der MBA-Teilnehmerinnen steigt weltweit. Nicht zuletzt deshalb, weil viele Business Schools mit attraktiven Stipendien mehr Frauen gewinnen möchten. Auch in Deutschland gibt es Geldspritzen.

Zum ersten Mal hat die Zahl der Frauen, die den GMAT-Test ablegten, die Schallgrenze von 100.000 überschritten, meldete der Test-Anbieter GMAC vor kurzem. Der Graduate Management Admission Test (GMAT) ist bei mehr als 4.700 Wirtschafts-Studiengängen an fast 1.900 Business Schools weltweit eines der Zulassungskriterien. Die meisten Tests wurden dabei von Frauen in den USA gemacht. Unter zehn weiteren globalen Regionen hatte Osteuropa die meisten Test-Teilnehmerinnen.

Frauenquote erhöht die Qualität des Unterrichts
Doch trotz dieser Fortschritte sind Frauen an den MBA-Schulen noch immer unterrepräsentiert. "Frauen verpassen oft den richtigen Zeitpunkt für die Managementweiterbildung", sagt Eva Niemann, Leiterin der niederländischen TiasNimbas Business School in Deutschland. Nach ein paar Berufsjahren stehe erst die Familie im Vordergrund und dann sei es oft zu spät oder es fehlten die finanziellen Mittel. Daher habe TiasNimbas bereits zum dritten Mal Teil-Stipendien in Höhe von 10.000 Euro für das Part-time MBA Programm in Bonn ausgeschrieben.

Von den derzeit 21 Teilnehmern sind bereits zehn Frauen. "Das bereichert den Unterricht enorm", sagt Niemann. Denn Frauen brächten oft andere Impulse in die Diskussionen und kämen zudem häufig auch aus anderen Branchen wie etwa dem Gesundheitsbereich. Beim MBA gehe es nicht nur um betriebswirtschaftliches Wissen, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung, Führungskompetenz und mehr Selbstbewusstsein, erklärt die MBA-Expertin und appelliert an die Frauen, die Chance häufiger zu nutzen.

Viele Schulen folgen dem Trend
Wie TiasNimbas bieten viele Business Schools spezielle Stipendien für angehende Managerinnen. Besonders großzügig ist die ESMT (European School of Management and Technology) in Berlin, die gleich vier Voll-Stipendien für MBA-Studentinnen vergibt. In den USA hat die Fort Foundation mehr als 23 Millionen Dollar von ihren Sponsoren gesammelt, um MBA-Kandidatinnen zu unterstützen.

Beim Beratungsunternehmen Booz & Company gibt es seit vielen Jahren das "Program for Women in Europe", bei dem sich MBA-Studentinnen ausgewählter Business Schools für ein Stipendium für ihr erstes Studienjahr bewerben können. Neben der finanziellen Förderung bekommen sie auch Chance, Berufserfahrungen bei der Beratung zu sammeln und zwei Monate als vollwertiges Teammitglied in einem der europäischen Büros zu arbeiten. Danach besteht sogar die Aussicht auf eine Festanstellung.
 
Von Bärbel Schwertfeger