Fit bei der Arbeit

Am Arbeitsplatz gesund zu bleiben ist eine Herausforderung für immer mehr Menschen. Weil Belegschaften perspektivisch älter und nicht jünger werden, darf niemand früh alt aussehen. Auf die Fitness kommt es an. Das ist leichter gesagt als getan.

Die galoppierende Vergreisung der Gesellschaft lässt dem gemeinen Büromenschen keine Wahl: Wohl oder übel muss er möglichst lange durchhalten. Wie früher mit 56 oder 57 den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, kann sich künftig niemand mehr erlauben. Freilich gibt es eine Menge zu beachten, um den überall lauernden Gesundheitsgefahren ein Schnippchen zu schlagen. Zuerst muss der kleine Schweinehund besiegt werden: Hier lugt ein Kollege durch die falsche Brille, den anderen quält der Büromief. Statt den Optiker um Rat zu fragen oder ab und an mal kräftig durchzulüften, sitzt man lieber stundenlang auf dem Hosenboden und martert den Leib mit Kaffee und Kalorienbomben.

An der digitalen Nabelschnur
Wer derlei Bequemlichkeit bereits im Griff hat, ist dem Durchschnitts-Bürohengst gewiss um einiges voraus. Doch damit ist längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Seit Computer ihren Siegeszug in den Büros antraten, sind auch neue Gesundheitsrisiken aufgetaucht. Trockene Augen, Rückenbeschwerden und der "Mausarm" legen dafür beredt Zeugnis ab. Ergonomie lautet das Stichwort: Wer überwiegend an der digitalen Nabelschnur hängt, sitzt oft in der falschen Position und hat seine Gliedmaßen nicht im Griff.

Auf diese primär durch die Arbeit am PC ausgelösten Gefahren macht nun die Deutsche Gesellschaft für Gesundheit, Information und Prävention e.V., kurz GGIP, aufmerksam. "Wir wollen eine breite Öffentlichkeit aufklären", betont Colleen Adam, "wie wichtig ein ergonomisches Arbeitsmaterial ist, um seinen Körper zu schonen und auch im fortgeschrittenen Alter am Computer fit zu bleiben." Vor allem mittelständischen Betrieben mangele es vielfach an der gebotenen Sensibilität für ein gesundheitsförderndes Arbeitsklima.

Aus die Maus
Als Folge oft stundenlanger Fehlbelastungen durch unnatürliche Körperhaltung beklagen viele Beschäftigte Bandscheiben- und Rückenprobleme. Noch häufiger lautet die Diagnose: Mausarm beziehungsweise RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury), eine fürwahr schmerzhafte Belastung, die vom Nacken über die Schulter in den Arm ausstrahlt. Ein Problem, dem laut GGIP einfach beizukommen ist. Viel sei bereits mit regelmäßigen Pausen und ausreichender Bewegung zu erreichen. "Und an ergonomischen Arbeitsmitteln besteht sicherlich auch kein Mangel", sagt GGIP-Sprecherin Adam.

Amerikanischen Forschern ist zu verdanken, dass RSI keinen Flächenbrand in der Wirtschaft auslöst und Belegschaften reihenweise schachmatt setzt. In ihren Studien legen sie detailliert dar, welche Position für Hände und Arme am Computerarbeitsplatz zu empfehlen ist, um dem Mausarm vorzubeugen. Weil etwa Arme und Hände bei der PC-Arbeit nicht parallel angeordnet sind, sondern erfahrungsgemäß einen Winkel von zwölf Grad beschreiben, sind inzwischen geteilte Tastaturen verfügbar, die exakt auf diese Körperhaltung zugeschnitten sind. Um das Handgelenk zu schonen, sind sie zudem in ihrem Neigungswinkel verstellbar.

Auch die moderne "ergonomische" Computermaus profitiert von der Forschung: Sie entlastet den Handwurzelkanal, fördert die Durchblutung und schont Sehnen und Nerven. An den Kosten sollte es also nicht scheitern, gesundheitsförderliche Arbeitsplätze einzurichten. Wie viel sind Mitarbeiter ihren Unternehmen wirklich wert?
 
Von Josef Bierbrodt