Fire and hire

Schreiben Firmen rote Zahlen, hilft oft nur noch der Personalabbau. Damit betroffene Mitarbeiter nicht ins Bodenlose abstürzen, werden sie von Transfergesellschaften aufgefangen und auf den nächsten beruflichen Schritt vorbereitet. Doch die Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern sind groß.

Aufgabe von Transfergesellschaften ist es, jedem einzelnen von Personalabbau Betroffenen zu einer neuen beruflichen Perspektive zu verhelfen. Doch die Bilanz ist dürftig. "Die Vermittlungsquoten von Beschäftigten aus Transfergesellschaften könnten weit höher liegen", sagt Arnold Kratz, Berater für Beschäftigtentransfer bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung GmbH NRW (GIB) in Köln. Zweimal pro Jahr evaluiert GIB die in NRW laufenden Projekte. Auf das Land zwischen Rhein und Ruhr entfällt strukturbedingt ein Großteil des bundesweiten Aufkommens. Demnach liegt die Vermittlungsquote in neue Beschäftigung lediglich bei knapp 40 Prozent.

Kern des Problems ist der hohe Anteil von älteren Menschen. Sie nehmen das Angebot der Transfergesellschaften, "gestrandete" Beschäftigte gezielt anzuleiten, um ihre Beschäftigungschancen nicht zuletzt durch hohe Eigeninitiative zu erhöhen, kaum wahr. Dies ist verständlich, denn welcher 50-Jährige startet am Arbeitsmarkt tatsächlich noch mal durch? Zudem haben sie oft den Aufruf aus den Achtziger Jahren verinnerlicht, als es hieß: "Ältere machen den Jungen Platz." Freilich gibt es das arbeitsmarktpolitische Instrument "Vorruhestand" nicht mehr.

Eine andere Ursache, weshalb nach wie vor mehr Menschen arbeitslos bleiben als Arbeit finden, liegt in der Dienstleistung selbst begründet. Zahlreiche Transferanbieter gäben sich nicht genug Mühe um die Menschen, kritisiert Helmut Meyer, Geschäftsführer der Starnberger Roots & Wings GmbH & Co. KG. Die Zeit der befristeten Beschäftigung bei einer Transfergesellschaft werde wie ein "Trostpflaster" für den schleichenden Übergang in die drohende Arbeitslosigkeit oder in die erwartete Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen empfunden. "Verloren gegangenes Vertrauen aufzurichten schafft keine Beratung von der Stange", sagt Meyer.

Der oberbayerische Spezialist für Personalentwicklung hat bereits rund 150 Transferprojekte in NRW sowie in nördlichen Bundesländern durchgeführt. Zahlreiche Projekte finden etwa im Klinikbereich statt, weil kommunale Krankenhäuser sich restrukturieren oder in private Hände übergehen. Mitarbeiter, die bisher vom Staat versorgt wurden und die dafür Patienten betreuen, verlieren nicht nur ihren Arbeitsplatz. "Für viele bricht eine Welt zusammen", sagt Meyer. Plötzlich fehle die Anerkennung, daher seien die Betroffenen dringend auf fachkundige Begleitung angewiesen.

Hier setzt Meyer den Hebel an. In der Transfergesellschaft werden die Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Familien von Coaches und Ärzten psychologisch betreut und auf neue Aufgaben vorbereitet. Ihre Zukunftsperspektiven sind gut. Wer etwa in Bremen von Arbeitslosigkeit betroffen ist, kann sehr schnell in Bayern eine neue Aufgabe finden. Zu diesem gewiss nicht leichten Schritt zu ermutigen und bei der Umsiedlung und Eingewöhnung vor Ort zu helfen, sieht Meyer als wichtige Aufgabe an.

Doch das Beispiel bleibt eine Ausnahme. Wie könnte man die Vermittlungsquoten erhöhen? GIB-Experte Kratz plädiert für Prämien. "Je schneller der Transferträger vermittelt, desto mehr kann er verdienen."
 
Von Winfried Gertz