Finanzierung Weiterbildung - Bildungsfonds im Trend

Die Entscheidung zu studieren ist nicht nur davon abhängig, welches Fach einem besonders am Herzen liegt. Entscheidend ist auch, welche beruflichen Perspektiven ein Studium eröffnet und ob die Finanzierung sicher ist. Mit seinem Bildungsfonds will das schwäbische Unternehmen Festo unter Beweis stellen, dass Qualifikation ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen von Unternehmen ist, das weit über ihre erwerbswirtschaftlichen Interessen hinausgeht.

Studieren ist teuer, sagt Peter Speck. Rund 770 Euro pro Monat kostet den Durchschnittsstudenten das rund fünf Jahre lange Büffeln, kalkuliert der ehemalige Personalleiter von Festo. Weil sie mit ihren Mitteln nicht weit kommen, müssten viele Studenten nebenher arbeiten und so die ursprünglich geplante Studienzeit in die Länge ziehen. "Ein Fünftel ihres wöchentlichen Zeitbudgets wenden Studenten für die Finanzierung auf", sagt Speck.

Schuldenfalle Finanzierung
Abhilfe versprechen Finanzierungsangebote. Doch das Risiko für Kapitalgeber und Kunden ist hoch. Viele Studenten lehnen es ab, sich zu verschulden - aus gutem Grund: Sie wissen nicht, ob sie überhaupt zu Ende studieren, einen angemessenen Berufseinstieg finden und in ihrer späteren Lebenssituation die finanzielle Last abschütteln können. Kurz: Eine Studienfinanzierung mit Fremdmitteln wird als Schuld angesehen, nicht als Investition in die eigene Zukunft.

Hier will Speck mit dem Festo Bildungsfonds ansetzen. Neben der Finanzierung setzt Speck auf die individuelle Förderung und Entwicklung von beruflichen Fertigkeiten, den sogenannten Schlüsselqualifikationen. "Das ist Kern unseres Fördergedankens." Der erste firmeneigene Bildungsfonds in Deutschland richtet sich an Studierende, Doktoranden und Interessierte, die eine berufsbegleitende, hochschulbasierte Qualifizierung wie den Masterabschluss in den Bereichen Ingenieurwissenschaft und Technik oder einen MBA anstreben. Laut Speck profitierten die geförderten Studenten "von einem exklusiven Netzwerk technisch orientierter Unternehmen und engagierter Professoren", die sich dem Gedanken der berufsorientierten Qualifikation der Studierenden verschrieben hätten.

Fit für eine veränderte Berufswelt
Schon seit Jahren engagiert sich Festo auf dem Gebiet der "Corporate Educational Responsibility". Die Ausbildungsquote liegt stets über 7 Prozent. In dem "Lernunternehmen" haben Mitarbeiter Zugang zu Qualifizierungs- und Beratungsangeboten in firmeneigenen Akademien und in Lernzentren, die Festo gemeinsam mit öffentlichen Bildungsträgern unterhält. Hier knüpft auch der Ende 2007 aufgelegte Bildungsfonds an: Man will junge Menschen dabei unterstützen, sich heute auf die veränderte Berufswelt von morgen vorzubereiten.

Neben der Übernahme von Studiengebühren und Lebenshaltungskosten eröffnet der Festo Bildungsfonds seinen Teilnehmern viele Weiterbildungsangebote und Zugang zu einem spannenden Netzwerk. Die Nachfrage ist groß, Hunderte Bewerbungen sind inzwischen eingegangen. Laut Speck erhielt bisher jeder dritte Bewerber ein Finanzierungsangebot, jeder Zweite unterschrieb.
 
Von Josef Bierbrodt