Fernstudium - Weiterbildung als Perspektive in Krisenzeiten

Wer zweifelt, ob der Job noch sicher ist, neigt kaum dazu, sich weiterzubilden. Doch genau diese antizyklische Strategie ist empfehlenswert. Wer seine Kompetenzen in der Krise gezielt ausbaut, kommt mit besseren beruflichen Perspektiven in den Aufschwung hinein. Fernlernen ist deshalb besonders beliebt.

Der typische Teilnehmer eines Fernlernkurses, das zeigen aktuelle Statistiken, ist weiblich und zwischen 20 und 30 Jahre jung. Er oder sie bereitet sich entweder auf einen Schulabschluss vor oder bildet sich im Bereich Wirtschaft und kaufmännische Praxis fort und bezahlt Studiengebühren aus der eigenen Tasche. Nach jüngsten Angaben des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung sind Wirtschaftsthemen sowie Schulabschlüsse am beliebtesten. Die größten Zuwächse verzeichnen Fernlehrgänge mit staatlichen Abschlüssen zum Betriebswirt, Techniker oder Übersetzer sowie Sprach- und EDV-Lehrgänge.

Bedarf noch lange nicht gedeckt
Experten zufolge zeigt sich damit eine große Bandbreite an Inhalten und Abschlüssen, auch die Altersverteilung der Teilnehmer fächert sich weiter auf. Jeder Fünfte Teilnehmer an einem Fernlernkurs ist bereits über 40 Jahre alt, während vier Prozent jünger als 20 Jahre sind. Insgesamt bildeten sich in Deutschland zuletzt mit etwa 350.000 Menschen mehr als je zuvor per Fernunterricht oder Fernstudium fort. Im Fünfjahresvergleich wuchs die Teilnehmerzahl sogar um 37 Prozent, jeder fünfte ist an einer Fernhochschule eingeschrieben.

Hochschulabschlüsse per Fernstudium stehen hoch im Kurs. Ständig kommen neue Studiengänge und Weiterbildungsangebote hinzu. Kritiker warnen jedoch vor Euphorie. Um den drohenden Fachkräftemangel wirksam auch mit gezielter beruflicher Weiterbildung zu bekämpfen, bräuchte es weit mehr Angebote. Das zeigt ein Blick auf die aktuelle OECD-Bildungsstudie. In Ländern wie Australien oder Schweden sind über 13 Prozent der 30- bis 39-Jährigen für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium eingeschrieben, in Deutschland sind es gerade 2,5 Prozent. Während der Akademiker-Anteil unter den 25- bis 34-Jährigen in Deutschland bei 22 Prozent liegt, rangieren Kanada, Schweden oder Finnland mit jeweils über 50 Prozent weit vorn.

Große Hoffnungen sind deshalb mit den Weiterbildungsinitiativen von Fernhochschulen verknüpft, deren Zahl an eingeschriebenen Studenten binnen Jahresfrist um 16 Prozent zulegte. Sie profitieren von zahlreichen Honorarkräften, die neben ihrem Hauptberuf an den Fernhochschulen unterrichten und damit einen hohen Praxisbezug gewährleisten. Dies sorgt nach Angaben von Marktexperten für eine im Vergleich zu Präsenzhochschulen niedrigere Abbrecher-, dafür aber höhere Absolventenquote.
 
Von Josef Bierbrodt