Fair bleiben beim Jobwechsel

Die Kündigung verwandelt sich vom ungeliebten Schlagwort zur einmaligen Chance, wenn sie ein Arbeitnehmer als Eigenkündigung ausspricht, dem das Angebot eines neuen Arbeitgebers vorliegt. Denn das bedeutet häufig einen Sprung auf der Karriereleiter und verbesserte Konditionen.

Wie viele Arbeitnehmer nahtlos vom alten in einen neuen Job wechseln, erfasst keine Statistik, nach einer jüngeren Umfrage würden aber gerne über 40% aller Führungskräfte den Job wechseln. Gewisse Regeln sollten dabei auf jeden Fall eingehalten werden.

Betriebswirt Stephan Packholz ließ sich vor seinem Jobwechsel als Key Account Manager zu einem Konkurrenzunternehmen von einem Rechtsanwalt zu einigen Punkten beraten. "Zuerst sollte der Arbeitnehmer schauen, ob in seinem Arbeitsvertrag längere Kündigungsfristen als die für ihn regelmäßig geltende Grundkündigungsfrist angegeben sind", rät Dr. Ralph Panzer, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Schwarz Kelwing Wicke Westpfahl in München. Ansonsten gilt für Packholz unabhängig von seiner Betriebszugehörigkeit eine Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende.

Das eigentliche Kündigungsschreiben sollte deutlich den Willen zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses zum Ausdruck bringen, eigenhändig unterschrieben sein und dem Arbeitgeber im Original, entweder durch persönliche Übergabe oder durch Einwurf-Einschreiben, zugehen. "Zwar ist das Einwurf-Einschreiben nicht abschließend beweiskräftig, falls ein Arbeitgeber den Zugang möglicherweise leugnen sollte, wird aber in der Praxis weit weniger bestritten als mit normaler Post zugestellte oder lediglich eingeworfene Schreiben", weiß Rechtsanwalt Dr. Panzer. Zwei Tage nach dem Eingang seiner Eigenkündigung wurde Stephan Packholz von seinem Noch-Arbeitgeber freigestellt und musste seine Aufgaben mit sofortiger Wirkung abgeben. Ein durchaus übliches Vorgehen in seiner Führungsebene, um Betriebsgeheimnisse zu schützen.

Hier rät der Anwalt zu besonderer Vorsicht: "Während des bestehenden Arbeitsverhältnisses unterliegt der Arbeitnehmer einer umfassenden Verschwiegenheitspflicht. Doch auch danach können noch Verschwiegenheitspflichten bestehen." Der Gesetzgeber sieht für die Mitnahme von Geschäftsgeheimnissen noch während der Laufzeit des Vertrages, z.B. im Freistellungszeitraum, Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren vor. Vorsicht ist im Übrigen auch bei der Nutzung der neu gewonnenen Freizeit, verursacht durch die Freistellung, geboten.

Packholz wollte den Leerlauf mit einer Schulung für die neue Tätigkeit füllen. Dr. Panzer erklärt dazu: "Hier kommt es zwar darauf an, ob die Schulung bei einem neutralen Institut oder beim neuen Arbeitgeber stattfindet und zudem, ob die Freistellung widerruflich oder unwiderruflich gewährt wurde. Aber grundsätzlich ist jede Konkurrenztätigkeit während des Bestehens des Arbeitsverhältnisses untersagt und eine Schulung beim Konkurrenten würde ich entsprechend beurteilen." Packholz verzichtete daraufhin zwar auf die vorzeitige Weiterbildung, nicht jedoch auf die Nutzung seines Dienstwagens, da dieser ihm auch zur privaten Nutzung überlassen wurde. Grünes Licht dazu kommt vom Anwalt: "Die private Nutzung des Dienstwagens ist eine Sachleistung des Arbeitgebers, die der Gehaltszahlung gleichzustellen ist. Der Arbeitgeber kann daher nicht ohne Weiteres die Herausgabe vor Ablauf des Arbeitsverhältnisses verlangen, es sei denn, der Mitarbeiter erhält nach seinem Vertrag für den Entzug eine finanzielle Kompensation."

Der Jobwechsel funktionierte letztendlich für Stephan Packholz dank der kompetenten Rechtsberatung problemlos, denn auch sein alter Arbeitgeber verhielt sich professionell und fair. Abschließend verrät Packholz mit dem Spruch "Man trifft sich immer zweimal im Leben" noch sein persönliches Motto für den Umgang mit Kollegen, Kunden und Chefs. "Und außerdem", so Packholz, "wechselt man zwar mehrmals die Firma, aber nicht die Branche. Und deshalb hat weder der Arbeitgeber noch der Arbeitnehmer ein Interesse an negativem Gerede."
 
Von Manuel Boecker