Fachkräfte - Zahltag nach der Flaute

Ohne Moos nix los. Das gilt auch für Unternehmen, die ihre Besten langfristig bei Laune halten und vor dem Absprung abhalten wollen. Nachdem die Krise abflaut und die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt, müssen Arbeitgeber für ihre Fachkräfte und Führungsetage tief in die Tasche greifen.

Mitarbeiterbindung stand im Krisenjahr 2009 nicht auf der Agenda. Kosten runter, nach uns die Sintflut - so lautete die Überlebensmaxime in den meisten Unternehmen. Doch seitdem die Prognosen wieder optimistischer werden und die Aufträge zahlenmäßig zulegen, richtet sich der Blick wieder auf das Fach- und Führungskräfteproblem. Wachstum ohne die Leistungsträger ist schlicht nicht möglich.

Leistungsträger wollen motiviert werden
Um ihre Kernmannschaft bei der Stange zu halten, müssen sich viele Unternehmen etwas einfallen lassen. Hier besteht großer Nachholbedarf, wie der Personaldienstleister Robert Half in einer neuen Umfrage unter 3000 Personal- und Finanzmanagern ermittelte. Zwar kommen viele Firmen ihren Mitarbeitern inzwischen mit flexibleren Arbeitszeiten und Weiterbildungsangeboten entgegen. Doch laut Umfrage erwarten die meisten Fach- und Führungskräfte lieber einen kräftigen Schluck aus der Gehaltspulle. "Angebote der Unternehmen und Wünsche der Arbeitnehmer weichen stark voneinander ab", fasst Sven Hennige, Chef von Robert Half, die Ergebnisse der Umfrage zusammen.

Während ein Drittel der Firmen überhaupt keine Angebote unterbreitet, versuchen immerhin 42 Prozent, ihre Leistungsträger mit flexibleren Arbeitszeiten zu ködern. Lediglich jeder fünfte Betrieb setzt laut Robert Half beim Einkommen an und stellt höhere Gehälter und Boni in Aussicht. Umgekehrt geben drei Viertel der befragten Personal- und Finanzexperten an, bei einem attraktiveren Gehalt im Unternehmen zu bleiben. Trainings zum Teambuilding, wie in jedem fünften Unternehmen praktiziert, werden von vielen Fach- und Führungskräften kaum als motivationsfördernd empfunden. Deutlich besser werden hingegen Karrierepläne oder Zulagen eingeschätzt.

Rückenwind für Fach- und Führungskräfte
Über Mitarbeiterbindung wurde bis heute viel geschrieben. Mehr Anerkennung wünschen sich Menschen im beruflichen Alltag, mehr Teilhabe und Verantwortung. Sie wollen sich weiterentwickeln und gut behandelt werden. Doch all dies fruchtet nicht wirklich, wenn nach der Krise, in der man Ansprüche bewusst zurückhielt, nun nicht auch die Kasse klingelt. Nicht anders ist zu erklären, dass mehr Gehalt und höhere Zulagen die mit Abstand am meisten geforderte Bindungsmaßnahme ist.

Fach- und Führungskräfte befinden sich in einer komfortablen Situation: Je schneller sich das Personalkarussell nach der Krise drehen wird, umso höher ist ihre Chance, attraktive Gehälter zu vereinbaren. Ob für den Verbleib in ihrer Firma oder bei einem Wechsel zu einer anderen - ihre Verhandlungsposition könnte besser nicht sein.
 
Von Winfried Gertz