Erfolgskonzept Diversity Management

Heute hat fast ein Fünftel der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Deshalb ist der Einsatz multikultureller Teams in der Zukunft kein reiner Image-, sondern ein knallharter Wettbewerbsfaktor für Erfolg versprechende Unternehmensstrategien.

"Diversity Management" kommt aus den USA und kann mit "Vielfalt" übersetzt werden. Unterschiede in der Belegschaft wie ethnische Abstammung, Geschlecht oder religiöse Werte werden nicht gleichgestellt, sondern bewusst als Strategie zur Steigerung des unternehmerischen Erfolges eingesetzt. Die Wertschätzung der Unterschiedlichkeit von Menschen bezieht sich dabei auch auf Aktionäre, Kunden und Geschäftsfreunde.

Kulturelle Eigenheiten fördern
In einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Köln hat Dr. Swetlana Franken mit Kollegen die bessere Nutzung des Potenzials junger Akademiker mit Migrationshintergrund untersucht. Für die Wirtschaftswissenschaftler liegen die Vorteile für die Integration dieser Berufsgruppe auf der Hand: Die Firma profitiert vom kreativen Potenzial der Mitarbeiter aus verschiedenen, oft mehrsprachigen Kulturkreisen; daneben entsteht Raum für Innovationen durch Minderung des klassischen homogenen Gruppendenkens. Besondere Migrantenkompetenzen wie Belastbarkeit und Zielstrebigkeit bedingen härtere Debatten und führen zu fundierteren Entscheidungen. Dazu bedarf es jedoch einer beiderseitigen Lernbereitschaft, denn die Mitarbeiter müssen bereit sein, das Orientierungssystem und die Werte einer anderen Kultur zu verstehen und sich gleichzeitig der eigenen Standards bewusst werden. Diese Verbindung aus deutscher und "fremder" Kultur fördert gleichzeitig die soziale und emotionale Integration von Migranten, weil sie keine bloße Assimilation anstrebt.

Für die Jobsuche rät Dr. Franken den Bewerbern vor allem interkulturelle Kompetenzen schon im Anschreiben gezielter zu verkaufen und mehr Referenzen, wie Diplome und Zertifikate, zu sammeln. Gleichzeitig wünscht die Professorin eine bessere Vernetzung der Migranten durch den Aufbau von Beziehungen und Netzwerken.

Trotz hoher Qualifikation Benachteiligung bei der Stellensuche
Eine öffentliche Diskussion zum Thema darf sich jedoch auch nicht den Risiken verschließen, die den Erfolg von Diversity Management einschränken können:
Kulturelle Vielfalt birgt immer auch die Gefahr einer Stereotypisierung der Unterschiede, zudem sind Missverständnisse wegen Sprachproblemen keine Seltenheit, Entscheidungsprozesse dauern möglicherweise länger und Führungskräfte sind im Umgang mit einer multikulturellen Belegschaft schneller überfordert.

Bei der Jobsuche sind Migranten trotz des "Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes" (AGG) von 2006 immer noch massiv benachteiligt. Gegenüber deutschen Konkurrenten werden mehr Bewerbungen geschrieben, die jedoch zu weniger Vorstellungsgesprächen und damit auch Jobangeboten führen. Daneben treiben die Schwierigkeit bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und eine weitverbreitete ablehnende Haltung in der Gesellschaft gegenüber Zuwanderern überdurchschnittlich viele Migranten in die Selbständigkeit.

Abwanderung entgegenwirken
Yilmaz Yildir, Leiter des Vertriebes für Modernisierungen bei der Firma ABP Induction in Dortmund, legt in Gesprächen mit Kollegen und Kunden viel Wert darauf, dass die Kommunikation nicht an der Sprache scheitert. "Meine Offenheit und Sensibilität gegenüber anderen Kulturen macht das Arbeiten im internationalen Geschäft einfacher." Mit Vorurteilen wurde der gebürtige Türke jedoch auch schon während des Studiums konfrontiert. "In einem Bewerbungsgespräch wurde ich darauf angesprochen, wo denn mein akzentfreies Deutsch herkäme."

Genau hier ist ein Umdenken bei vielen deutschen Unternehmen erforderlich, wenn in einer alternden Gesellschaft und der massiven Abwanderung von talentierten Kräften ins Ausland, das Rennen um hochqualifizierte Zuwanderer gegen andere europäische Länder nicht verloren gehen soll.
Politik und Wirtschaft arbeiten seit einiger Zeit an Netzwerken und Projekten, wie "Integration durch Qualifizierung" oder "Vielfalt als Chance", um der landläufigen Meinung entgegen zu treten, Zuwanderer seien in erster Linie Problemfälle.
 
Von Manuel Boecker