Erfolgreich Netzwerke knüpfen

Männer tun es seit Jahrhunderten. Sie nutzen ihre Kontakte, um nach oben zu kommen. Im Gegensatz dazu denken die meisten Frauen, dass der Erfolg allein auf Leistung beruht. Dabei sind oft die richtigen Beziehungen der Schlüssel zum beruflichen Aufstieg. In Sachen Netzwerke haben Frauen einiges aufzuholen.

In deutschen Unternehmen besetzen wenige Frauen Top-Positionen. Das Forsa-Institut fand in einer aktuellen Umfrage heraus, warum das so ist. 70 Prozent der rund 500 befragten weiblichen Führungskräfte bezeichnete die Dominanz männlicher Netzwerke als Karrierehemmnis Nummer eins.

Frauen haben in diesem Punkt ganz offensichtlich Nachholbedarf. Woran liegt das? In der Regel gelten sie doch als kommunikationsstark. "Das ist der große Widerspruch", sagt Martina Haas, Rechtsanwältin und Autorin des Buches "Was Männer tun und Frauen wissen müssen - Erfolg durch Networking". "Frauen kommunizieren gern, sie können es auch besser, aber sie tun es weniger zielgerichtet auf den Beruf als Männer."

Die Idee des Netzwerkens ist nicht neu. Schon immer taten sich Gleichgesinnte - vor allem Männer - in Verbindungen und Clubs zusammen, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Auch heute noch geht es darum, Kontakte zu knüpfen und diese für sich zu nutzen. "Ein guter Netzwerker muss aber auch immer bereit sein, etwas für andere zu tun", sagt Martina Haas. "Schmarotzer werden schnell entlarvt." Das bedeutet auch, dass insbesondere anfangs investiert werden muss: Energie, Zeit und manchmal auch Geld.

Bei der Suche nach den richtigen Netzwerken steht die jeweilige Zielsetzung im Vordergrund. Beruflich oder privat - oft lässt sich das gar nicht voneinander trennen: Will ich nach einem Umzug neue Bekanntschaften schließen, berufliche Kontakte knüpfen oder einen anderen Job finden? Martina Haas bietet mit ihrer Firma Konzept & Innovation Networkberatung speziell für Frauen an. Sie rät, bei der Suche nach dem richtigen Netzwerk unbedingt ehrlich zu sich selbst zu sein und authentisch zu bleiben. "Es macht wohl wenig Sinn, in einen angesagten Golfclub zu gehen, wenn man von dem Sport eigentlich nichts hält."

Erfolgreich Networking betreibt nur, wer direkt auf Menschen zugehen kann. Eine Ausweichmöglichkeit bietet das Internet mit zahlreichen Netzwerken. Nicht zuletzt braucht es eine Menge Geduld. Kontakte festigen sich nicht über Nacht, sie wollen gepflegt und vertieft werden. Idealerweise ist das Netzwerk schon vorhanden, wenn man es braucht. Daher gilt: So früh anfangen wie möglich.

In zahlreichen Netzwerken organisieren sich nur Frauen. Ein Gegenrezept zur Dominanz der männlichen Netzwerke? "Ich finde es ganz wichtig, dass Frauen sich in weibliche Netzwerke begeben", meint die Buchautorin. Das sollten sie tun, um sich den Rücken stärken zu lassen oder zu erfahren, wie andere Frauen eine ähnliche Situation erlebt haben. Aber nicht ausschließlich: Noch sind es zu einem hohen Prozentsatz Männer, die einen Job oder Auftrag zu vergeben haben.

Es ist vor allem wichtig, mit hierarchisch höher gestellten Menschen in Kontakt zu treten. Frauen neigen dazu, sich gleich- oder untergeordneten Personen anzuschließen. Wer neu in ein Unternehmen einsteigt, kann anhand offizieller Organigramme herausfinden, welche Personen von Bedeutung sind. Schwieriger ist es, Kenntnis von und Zugang zu informellen Netzwerken zu finden. Berufseinsteigern empfiehlt Martina Haas Projektarbeit, weil dabei die Hierarchien oft aufgelöst sind und Neulinge sich profilieren können. "Man sollte darauf achten, nicht nur in der eigenen Abteilung gut verankert zu sein, sondern auch mit anderen Abteilungen ins Gespräch kommen", so die Beraterin aus Berlin. Eine gute Gelegenheit bietet die betriebliche Weihnachtsfeier.

"Bloß nicht verkrampft an das ganze Thema herangehen", rät die Expertin. Das nette Schwätzchen am Rande einer Tagung, der Plausch in der Kantine - auch das ist Networking. "Netzwerken soll Spaß machen - wenn nicht, ist man mit den falschen Leuten zusammen."
 
Von Britta Hecker