Endlich Tacheles reden

Nicht wenige Beobachter meinen, die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise sei auch eine Führungs- und Vertrauenskrise. In vielen Unternehmen wird schon jetzt darüber nachgedacht, wie das betriebliche Miteinander nach Ende der Krise aussehen sollte. Eine neue Studie nahm diese Fragen genauer unter die Lupe.

An Stammtischen, in Medien und in der öffentlichen Debatte kommen Manager derzeit nicht gerade gut weg. Sie hätten das Maß aus den Augen verloren, lautet ein oft erhobener Vorwurf. Andere meinen, in den Chefetagen und Leitungsebenen werde im Interesse einer kurzfristigen Ergebnisorientierung nicht selten die Unternehmenskultur aufs Spiel gesetzt. Da ist etwas Wahres dran: Schließlich sind viele Vergütungssysteme genau darauf ausgerichtet. Ob die so "gezüchteten" Macher auch geeignete Vorbilder sein können für ihre Mitarbeiter, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Krisenzeiten erfordern eine moderne, offene Führung
"Manager sind besser als ihr Ruf", zu diesem Ergebnis kommt eine neuere Studie der Beratungsfirma Comteam aus Gmund am Tegernsee. 400 Fach- und Führungskräfte hatte man danach befragt, wie es während der Krise in ihren Unternehmen zugeht. So wird es kaum verwundern, dass etwa jeder zweite Befragte um seinen Arbeitsplatz fürchtet. Besonders ausgeprägt ist der drohende Jobverlust in der Automobilindustrie und bei ihren Zulieferern. Auch in der Finanzdienstleistung regiert die Angst, vor allem in Banken sind Fach- und Führungskräfte längst nicht aus dem Gröbsten heraus.

Dennoch scheinen Fach- und Führungskräfte mit ihren Top-Managern einverstanden zu sein. Nahezu jeder zweite Befragte gab diese Meinung zu Protokoll. Lediglich ein Drittel ist unzufrieden, so die Studie. Die Firmenlenker machen einen guten Job, zumindest sind davon ihre Führungskräfte überzeugt. Freilich reicht diese positive Einschätzung nicht aus, um sich für die Zukunft gut aufzustellen. In ihrem Kern müsse sich Führung grundlegend ändern, sagt Comteam-Chef Lorenz Forchhammer. "Wie heute geführt wird, ist den Menschen und der Situation nicht mehr angemessen."

Was Leistungsträger von Top-Managern erwarten
Statt sich primär an Zielen und Ergebnissen zu orientieren, müssten Führungskräfte künftig deutlich mehr kommunizieren und sich am betrieblichen Dialog beteiligen. Kurz: Als Autoritätsfigur hat der Chef ausgedient, als Motivator und Vermittler bleibt er aber gefragt. "Dann sind die Menschen mit Vertrauen dabei und verfallen nicht in Angststarre", erklärt Forchhammer, was angemessene Führung bewirken kann.

Wie die Studie ferner ermittelte, wird die Informationspolitik gegenüber externen Zielgruppen deutlich besser beurteilt als die Verständigung nach innen. 40 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sind damit nicht zufrieden. Ebenso viele wünschen sich für die Zukunft, dass die Chefetage klarer und frühzeitiger informiert. Etwa die Hälfte erwartet, dass Top-Manager aktiver nach innen kommunizieren. Für jeden Vierten ist ihr bisheriger Auftritt durch bloße "Schönfärberei" gekennzeichnet. Forchhammer bringt auf den Punkt, was Leistungsträger künftig von ihrer Unternehmensführung erwarten: "Bei Druck und Anspannungen wollen sie keine gut verpackten Botschaften hören, sondern unverblümt und zeitnah wissen, was Sache ist."
 
Von Winfried Gertz