Einnicken statt abknicken

Kollege Müller hat einen Hänger. Die Lider auf halb acht, der Blick ziellos und leer. Keine drei Sätze kriegt er hintereinander ohne zu gähnen. Keine Frage, der Mann braucht eine Auszeit.

Heute schon "genappt"? Studien kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Wer mittags ein Schläfchen hält, ist nicht faul und unproduktiv, sondern schlau. Allerdings verwehren Arbeitgeber einem die erquickende Instant-Rast. Daher treiben es die Leute auf Parkplätzen, Toiletten und sogar am Schreibtisch, wenn keiner guckt.

Power Napping bringt erhebliche Leistungsvorteile
Zügelloses Herumschlummern - zünden Unternehmen nun den Produktivitätsturbo? Wohl kaum. Statt ihren Mitarbeitern Gelegenheit zu geben, ihre Batterien aufzuladen, stopfen sie ihr Humankapital in Großraumbüros, wo sie eng an eng ihr kümmerliches Dasein fristen und sich angähnen. Dabei reichen schon 15 bis 20 Minuten Power Napping aus, um zu alter Frische zurückzukehren.

US-Firmen stellen ihren Angestellten futuristisch aussehende Liegen zur Verfügung, auch an Flughäfen sind solche Schlafkabinen zu finden. Ehe der Träumer in den Tiefschlaf fällt, holen ihn leichte Vibrationen aus dem Dämmerstadium zurück. Freilich ist der Hightech-Klimbim gar nicht nötig. Viel wäre erreicht, würde man sich statt einer Kaffeepause zu einem Nickerchen niederlassen, ohne seinen Ruf beziehungsweise die Karriere aufs Spiel zu setzen. Noch wird ein Nickerchen in Ehren verwehrt. Doch was verboten ist, bereitet ja den größten Spaß.
 
Von Max Leonberg