Durch gezielte Führung die Performance von Projektteams steigern

Das Projektmanagement gliedert Projekte typischerweise in aufeinanderfolgende Phasen. Leider beschränkt sich diese Sichtweise meist auf die Aufgaben- sowie Sachebene der Projektdurchführung. Dass auch das Projektteam als Personengruppe einem phasenförmigen Entwicklungsprozess unterworfen ist, der sehr spezifische Anforderungen an die Führungskompetenz der Projektleitung stellt, bleibt in vielen Fällen unbeachtet. Diesen Umstand zu berücksichtigen steigert aber die Leistungsfähigkeit des Projektteams, wodurch wichtige Projektressourcen effizienter eingesetzt und so letztlich Zeit und Geld gespart werden können.

Als einfaches Orientierungsraster, mit dessen Hilfe die Projektleitung die Dynamik innerhalb ihres Projektteams gezielt einschätzen kann, ist das Teamphasenmodell, das der amerikanische Psychologe Bruce Tuckman im Laufe der 1960er und 1970er Jahre entwickelt hat. Nach Tuckman durchläuft ein Team einen gruppendynamischen Entwicklungsprozess in den fünf Phasen "Forming - Storming - Norming - Performing - Adjourning".

Projektarbeit erfordert Vorbereitung
In der Formierungsphase (Forming) lernt sich das Team kennen. Dementsprechend ist die Stimmung von vorsichtiger Zurückhaltung geprägt. Damit das Team in Schwung kommen kann, bedarf es in dieser Phase direkter Führung durch "konkrete Ansagen". Die Führungskraft sollte mit gutem Beispiel vorangehen und Geduld für die Teammitglieder aufbringen.

In der Konfliktphase (Storming) beginnen die Teammitglieder, sich selbst und ihre Kompetenzen darzustellen, um ihren Einfluss in der Gruppe geltend zu machen. Bei diesem Kampf um die "Hackordnung" in der Clique ist es notwendig, dass die Führungskraft ihrem Team die Ziele vor Augen hält, damit diese nicht in den Hintergrund gedrängt werden und eine gemeinsame Identifikationsfläche für den Teamgeist vorhanden ist.

Mit der Regelphase (Norming) entwickeln sich schließlich die Regeln und Umgangsformen der Gruppe in Bezug auf Arbeitsweisen, Kooperation, Kommunikation und Feedback. Die Ich-Orientierung geht in eine Wir-Orientierung über, so dass die Führungskraft mehr und zwischen Aufgaben und Personen koordiniert.

Wie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wird
Die Arbeitsphase (Performing) schließlich ist geprägt durch zielgerichtetes Handeln des Projektteams, das nun in der Lage ist, sich selbst zu steuern. Die Projektleitung führt nur noch wenig direkt, sondern sorgt für einen gesicherten Projektrahmen und die Einhaltung der Marschrichtung mit Blick auf Projektziele und -visionen.

Mit der Auflösungsphase (Adjourning) nähert sich das Projekt seinem Ende. Das Team wird sich auflösen und/oder neuen Aufgaben zuwenden. Die Führungskraft sorgt nicht nur dafür, dass der Projektabschluss gebührend gefeiert wird und das Team den gemeinsamen Erfolg genießen kann, sondern sie gibt auch Hilfestellung für die weitere Orientierung der Projektmitarbeiter. Dazu gehören beispielsweise das personenbezogene Feedback oder Gespräche über Entwicklungspotenziale und Zukunftsperspektiven für die einzelnen Teammitglieder.

Auch wenn Tuckmans Modell nur eine grobe Orientierung bietet und man keinesfalls davon ausgehen kann, dass der Phasenprozess an sich leicht zu steuern ist, so zeigt die Praxis doch, dass die Führungskraft, die ihr Verhalten an den Erfordernissen der fünf Phasen ausrichtet, es spürbar leichter hat, das zu verantwortende Projekt(-team) auf Zielkurs zu halten.
 
Von Carsten Hennig