Diversity-Management auf dem Vormarsch

Vielfalt in Unternehmen zu fördern zahlt sich aus. Wer bei der Zusammensetzung der Belegschaft hinsichtlich Alter, Geschlecht, Kultur oder sexueller Orientierung ein möglichst breites Spektrum favorisiert, schlägt sich auch gut im Wettbewerb.

Lange galt das Thema als exotisch, ohne sonderliche Priorität. "Gedöns" eben, wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Inzwischen betreiben 16 von 30 Dax-Firmen aktives Diversity-Management. Vielfalt als Ressource zu schätzen und unternehmensweit zu fördern ist ein Megatrend geworden, so eine Benchmark-Studie der Unternehmensberatung Synergy Consult aus Parsdorf bei München.

Frauen im Trend, ältere Mitarbeiter
In den letzten Jahren setzte laut Synergy Consult ein "massives Umdenken" ein. Mittlerweile werde Diversity tagtäglich "gelebt". Zahlreiche Konzerne befinden sich demnach noch in der Konzeptionsphase, andere könnten bereits beträchtliche Erfolge vorweisen. Ein Ergebnis lässt sich in den Vorstandsetagen beobachten: Immer mehr Frauen steigen ins C-Level auf und halten in ihrem Verantwortungsbereich milliardenschwere Tanker auf Kurs.

In 14 der 16 Dax-Konzerne, die sich Vielfalt auf die Fahnen schreiben, liegt Diversity Management in den Händen einer Frau, ermittelte Synergy Consult. Meistens sei dieser Bereich der Personalabteilung zugeordnet. Bei Henkel, BASF oder Daimler berichten die Managerinnen der Studie zufolge direkt an den Vorstandschef. Bei fast allen Dax-Firmen ist Diversity vor allem ein Frauen- oder Gender-Thema. An zweiter Stelle geht es um Alter und Kultur.

Das wird aber kaum so bleiben. Studien zufolge werden im Jahr 2020 rund 40 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland über 50 sein. Den Unternehmen bleibt also nicht mehr viel Zeit, sich rechtzeitig auf diese Entwicklung vorzubereiten. Sie müssen ihren älteren Mitarbeitern und jenen, die sie auf lange Sicht binden wollen, überzeugende Angebote unterbreiten, damit sie ihre Leistungsfähigkeit möglichst lange aufrecht erhalten können.

Von den Unterschieden profitieren
Dazu zählen laut Synergy Consult Jobrotation und Kreativtrainings, aber auch spezielle Gesundheitsprogramme für in die Jahre gekommene Mitarbeiter. Scheiden Mitarbeiter altersbedingt aus, sorgt ein ausgeklügeltes Wissensmanagement rechtzeitig dafür, dass wertvolle Erfahrung nicht verloren geht. Ältere übernehmen Jahre vor dem Ruhestand Patenschaften für Einsteiger und geben ihre jüngeren Kollegen in altersgemischten Teams Rückhalt und Anleitung.

Trotz nachweisbarer Fortschritte liegt vor den Unternehmen noch ein weiter Weg. Nach einer Phase von Altersteilzeit- und Frühverrentungsprogrammen ist ein grundsätzliches Umdenken erforderlich: Ältere Mitarbeiter dürfen nicht länger als weniger leistungsfähig abgestempelt werden, ferner muss die betriebliche Gesundheitsvorsorge ernst genommen und der Wissenstransfer explizit geregelt werden. Diversity: zuletzt noch bloßer Appell in Sonntagsreden, inzwischen ein strategisches Instrument der Unternehmenssteuerung.
 
Von Josef Bierbrodt