Die Promotion als Karrierekick

Ein Doktortitel ist eine großartige Möglichkeit, persönlich und im Beruf einen großen Schritt voranzukommen. Eine Promotion ist sogar dann möglich, wenn der Studienabschluss schon ein paar Jahre zurück liegt. Aber Vorsicht: Ein Promotionsprojekt kostet viel Energie und will gut geplant sein.

"Um in der Akademikerflut besser zu sein als andere, ist die Promotion der Königsweg", erklärt Dr. Heinz Evers, ehemaliger Geschäftsführer von Kienbaum Management Consulting. Das beginne schon bei der Personalauswahl: Durch die Fülle an Zusatzqualifikationen sei beispielsweise der Wert eines MBA für Personaler kaum noch zu überblicken, die Bedeutung einer deutschen Dissertation dagegen bekannt. Promovierte liegen laut Evers in der Vergütungsstruktur deutlich über dem Durchschnitt, außerdem steigen sie normalerweise bereits eine Stufe höher in den Job ein: Als Projektleiter zum Beispiel. Die Aufstiegsrelevanz des Doktortitels in der Wirtschaft ist für ihn also gar keine Frage.

Mit Selbstmotivation zum beruflichen Erfolg
Wer aber ausschließlich den Karrierekick vor Augen hat, könne bitter enttäuscht werden, denn ein noch so schöner Titel böte keine Garantie für späteren Erfolg, warnt Dr. Helga Knigge-Illner, die als psychologische Beraterin an der Freien Universität Berlin seit vielen Jahren Doktoranden in Einzel- und Gruppenberatungen betreut. Letztlich könne nur subjektiv im Einzelfall bestimmt werden, inwiefern die Entbehrungen in der Promotionsphase zum späteren Gewinn in Relation stehen - schließlich müssen Promovierende einige Jahre lang Zugeständnisse an Privatleben, Einkommen und Freizeit machen. "Wie viel ist es einem persönlich wert, so dass sich der Triebverzicht lohnt?" Man müsse schon intrinsisch, als so durch die Sache selbst, motiviert sein, so die Beraterin, nur dann gebe es realistische Aussichten auf den krönenden Titel.

Bezüglich der Machbarkeit sind sich die beiden Experten einig: Vollzeitberuf und Titelerwerb passen nicht unter einen Hut. Eine Dissertation erfordert sehr viel anhaltende Arbeit. Daher blieben diejenigen, die ihre Arbeitszeit nicht nachhaltig reduzieren, erfahrungsgemäß auf der Strecke. Einige Arbeitgeber bieten für ein Promotionsprojekt sogenannte Sabbaticals an, das sind halb- oder ganzjährige Auszeiten, die durch interne Ansparverträge über gewisse Zeiträume vorfinanziert werden. Denkbar ist auch eine Teilzeitstelle, die Arbeit als Freiberufler mit relativ freier Zeiteinteilung, eine Promotionsstelle an der Uni oder ein Förderstipendium. Welche Vorgehensweise sich letzten Endes für den Einzelnen als sinnvoll erweist, richtet sich nach der persönlichen Neigung, aber auch nach den konkreten Angeboten und den jeweiligen Lebensumständen.

Wer trotz aller zu erwartenden Schwierigkeiten mit dem Gedanken an einen Doktortitel spielt, dem empfiehlt Frau Dr. Helga Knigge-Illner: "Wenn Ihnen das Projekt als sinnvolle Herausforderungen erscheint, mit der Sie sich identifizieren können, und Ihnen das wissenschaftliche Arbeiten Spaß macht, dann tun Sie es. Wenn Sie damit nur Pluspunkte für die Karriere sammeln wollen und sonst keine weiteren Interessen damit verbinden, dann lassen Sie es!"
 
Von Carsten Hennig