Die Kommunikation - Wie man die Stimme erfolgreich einsetzt

Wer sich anderen klar mitteilen kann, ist auch im Beruf auf der Erfolgsspur. Nur verwechseln viele Zeitgenossen gutes Sprechen mit Dauer-Blabla. Das nervt und fällt auf den Verursacher zurück - mit negativen Konsequenzen.

Eigentlich sind Plaudertaschen gefragte Leute. Sie gelten als umgänglich und leutselig, zumindest kennen sie keine Angst, ihren Mund aufzumachen. Freilich bringt nicht jeder Märchenerzähler seine Botschaften unters Volk. Zwischen zweckorientiertem Smalltalk und eitlem Dauerpalaver erstreckt sich ein großes Spektrum an kommunikativen Akten. Bei näherem Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich Sprecher und sein Gegenüber oft entfremden, statt auf einer Wellenlänge zu surfen.

Richtig sprechen ist nicht selbstverständlich
Die Gründe dafür sind meist banal. Wenn wir uns als nicht-ausgebildete Sprecher mitteilen, sind wir oft nicht bei der Sache oder kennen kein Halten mehr. Kommunikationsfallen lauern überall, wie die langjährige Radiomoderatorin Isabel Garcia in ihrem neuesten Hörbuch "Ich rede: Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht" an zahlreichen Beispielen erläutert. Und sie liefert auch gleich Ideen, wie man vermeidet, in die Falle zu tapsen, und wie man das am besten üben sollte.

Einige der weit verbreiteten Probleme beim Sprechen sind eigentlich dem Fragezeichen geschuldet. Schon in der Grundschule lernt man, dass die Stimme sich hebt, wenn am Ende des Satzes ein Fragezeichen steht. Bei einem Aussagesatz senkt sie sich. Doch in der Praxis reden wir, als steuerten wir stets auf ein Fragezeichen zu. Der Ton bleibt oben, die Sätze ziehen sich, und der Adressat ballt die Faust in der Tasche: Nun halt mal deinen Rand!

Pausen einlegen
Man hat den Eindruck, der andere würde nie zur Sache kommen. Professionelle Zuhörer, etwa Personaler bei einem Vorstellungsgespräch, erkennen darin auch eine große Unsicherheit. Nahtlos schließt sich ans Dauerpalavern auch das Unvermögen an, gezielt Pausen einzulegen. Auch in diese Kommunikationsfalle stolpern wir gern hinein. Statt Pausen zu nutzen, um einen neuen Gedanken entstehen zu lassen, galoppieren wir ohne Punkt und Komma vor uns selbst davon.

"Es gilt als schick und cool, ohne Unterlass rhetorische Salven abzufeuern", sagt Garcia. Vor allem Comedians im Fernsehen zelebrieren diese kommunikativen Urfehler geradezu. Doch damit sind sie keine Vorbilder, vor allem in der Arbeitswelt. Wer sich den Gesetzen für Stimme und Sprache dauernd widersetzt, dürfe sich nicht wundern, wenn er seine Ziele verfehlt.

Wer sich gegen die schlimmsten Fehler wappnen will, dem empfiehlt Garcia eine einfache Übung. Man schnappt sich ein Handy oder Aufnahmegerät und spricht aus dem Stand die Pläne für den nächsten Tag auf. So lernt man schnell, wie sehr empfundenes und gehörtes Sprechen voneinander abweichen. Hebt und senkt sich die Stimme an den richtigen Stellen, nehmen die "Ähs" überhand, könnten die Pausen nicht länger sein? Also Aufnahme löschen und das Ganze noch einmal von vorn. "Wer diese Übung täglich wiederholt, wird relativ schnell die schlimmsten Fehler vermeiden", verspricht Garcia. Und dank seiner neu gewonnenen sprachlichen Sicherheit womöglich auch positives Feedback erhalten.
 
Von Josef Bierbrodt