Die Karriere lässt sich nicht planen

"Wo wollen Sie beruflich in fünf Jahren stehen?" Diese einst beliebte Frage aus dem Vorstellungsgespräch hat ihre Aktualität verloren. Denn Karriere ist heutzutage nicht mehr planbar - man muss vielmehr bereit sein, flexibel Chancen zu ergreifen, wenn sie sich bieten.

Als Trainee in eine Firma einsteigen, sich im Laufe der Jahre hocharbeiten und schließlich den Chefposten besetzen - so sah bis vor einigen Jahren der klassische Karriereweg aus. Auch heute noch mag der eine oder andere auf den geradlinigen Aufstieg innerhalb eines Unternehmens hoffen - das typisch deutsche Sicherheitsdenken ist noch in vielen Köpfen verankert. Doch diese Zeiten der Sicherheit und Geradlinigkeit sind vorbei, meint Karrierecoach und Autorin Svenja Hofert. "An Jobhopping geht heute kaum mehr ein Weg vorbei. Manchmal sind junge Mitarbeiter nur noch wenige Monate in einem Unternehmen, bevor sie sich schon bei einem anderen Arbeitgeber neuen Herausforderungen stellen." Wer hier zu langfristig plane, so Hofert, vergibt sich die Chance, woanders vielleicht etwas Besseres zu finden.

Häufige Jobwechsel als Zukunftsvision
Vor allem jungen Berufseinsteigern rät die Autorin von "Das Karrieremacherbuch: Erfolgreich in der Jobwelt der Zukunft", sich nicht zu stark auf ein langfristiges Ziel zu fokussieren: "Die meisten wissen doch noch gar nicht, welche unterschiedlichen Aufgaben es eigentlich in ihrem Bereich gibt. Daher sollten sie sich erst einmal umschauen, bevor sie sich festlegen." Denn Fakt ist: Man kann nur ein Ziel anstreben, wenn man es auch kennt.

Am Anfang scheint vielen das Ziel ganz klar: Sie wollen einen Job, der ihnen ein gutes Gehalt und einen hohen Status garantiert. "Doch mit der Zeit merken sie, dass die Arbeit gar nicht das ist, was sie sich darunter vorgestellt haben", so die Erfahrung der Coaching-Expertin. Also wechseln sie: in eine andere Branche, in ein anderes Unternehmen, in einen anderen Job. Nicht immer verläuft dieser Wechsel übergangslos - aber das sei in Zukunft auch kein Problem, meint Svenja Hofert. "Lücken im Lebenslauf werden in den nächsten Jahren zur Normalität werden", ist die Hamburgerin überzeugt. Es werde immer Leute geben, die zwischen zwei Anstellungen arbeitslos sind, die sich eine Auszeit nehmen, um sich weiterzubilden, die ein zweites Studium aufnehmen oder aus anderen Gründen eine Weile auf einen festen Job verzichten.

Neue Fähigkeiten gefragt
Die wenigsten Dinge lassen sich heutzutage noch voraussagen, am allerwenigsten die eigene Karriere: Mitarbeiter müssen schnell auf Umstrukturierungen reagieren, müssen neue Fähigkeiten erlangen und flexibel sein, um mit der Geschwindigkeit am Markt mithalten zu können. Diese Entwicklung sei nicht aufzuhalten, so Svenja Hofert. Und Veränderungen an sich seien ja auch etwas Gutes: "Denn nur wer sich verändert, kann sich auch weiterentwickeln."
 
Von Sabine Olschner