Die Arbeitskraft versichern

Arbeitnehmer sollten sich schon früh über den Ruhestand Gedanken machen, denn viele scheiden aus Krankheitsgründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Damit dies nicht zu einer finanziellen Katastrophe führt, raten Experten dringend zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Wer einen Unfall hat oder wegen einer schweren Krankheit dauerhaft seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, schaut finanziell häufig in die Röhre. Vom Staat können die Betroffenen keine Unterstützung erwarten: Arbeitnehmer, die vor dem 1. Januar 1961 geboren sind, bekommen seit Anfang 2001 gar keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr, für Ältere wurden die Leistungen stark gekürzt. Die neue staatliche Hilfe für nach 1961 Geborene nennt sich Erwerbsminderungsrente. Ihr größter Nachteil: Wer seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, wird auf eine andere Tätigkeit verwiesen. Das bedeutet: Ein Akademiker erhält keinen Cent, wenn er zum Beispiel noch als Hausmeister arbeiten kann. Die volle Rente erhält er nur dann, wenn er aufgrund seiner Krankheit weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Wer zwischen drei und sechs Stunden arbeitsfähig ist, bekommt die halbe Rente. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger: Sie müssen erst einmal 60 Monate lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, bevor sie Leistungen ausbezahlt bekommen.

Das Risiko, berufsunfähig zu werden, wird von vielen unterschätzt: "Jeder fünfte Angestellte fällt durch Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit aus, bevor er das Rentenalter erreicht hat", warnt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten (BdV). "Besonders vor dem Hintergrund der geplanten Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre wächst die Bedeutung der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung." Vorsorge tut also Not. Bisher gibt es nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jedoch "nur" etwa 17,2 Millionen BU-Verträge - wobei auch mehrere Verträge auf einen Versicherten entfallen können. Wenn man sich die Liste der Ursachen für den unfreiwilligen Ausstieg aus dem Berufsleben ansieht, wird schnell klar, dass es jeden treffen kann: Rücken- und Gelenkerkrankungen, Herz- oder Kreislaufprobleme, psychische Erkrankungen und Krebs sind die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit.

Konditionen wichtiger als der Preis
Die Zahl der Anbieter von BU-Versicherungen ist groß. Allein nach dem Preis sollte man nicht auswählen. Viel wichtiger ist es, vor Vertragsabschluss die Konditionen zu studieren. "Im Vertrag sollte auf keinen Fall eine Verweisklausel stehen", rät Bianca Höwe vom BdV. "Damit könnte das Versicherungsunternehmen - wie die gesetzliche Versicherung - den Kunden auf einen anderen Beruf verweisen." Zur Höhe der Rente meint Holger Schmitt vom GDV: "Als Faustregel gilt, etwa 75 Prozent des letzten Nettoeinkommens zu versichern. Hat man zusätzliches Einkommen, etwa durch Mieteinnahmen, kann der Berufsunfähigkeitsschutz entsprechend verringert werden. Um auch Inflationswirkungen oder regelmäßige Gehaltssteigerungen zu berücksichtigen, sollte eine Dynamik vereinbart werden."

Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass die Rente rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit gezahlt wird und man den Versicherungsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen kann. Um die Gesundheitsprüfung kommt nämlich vor Vertragsabschluss kein Antragsteller herum. "Alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und sorgfältig beantworten, nichts verschweigen, nichts hinzufügen oder idealisieren", sind dazu die Tipps von Bianca Höwe. Denn findet das Versicherungsunternehmen heraus, dass schon Vorerkrankungen bestanden haben, verliert man unter Umständen den Versicherungsschutz. Ein weiterer Ratschlag der Expertin: Bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig unverbindliche Probeanträge stellen. Dann kann man guten Gewissens die Frage, ob man bereits bei anderen Versicherern Anträge gestellt hat und abgelehnt wurde, verneinen.

Da bei Vorerkrankungen oder höherem Eintrittsalter die Preise für die Versicherung steigen - oder Antragsteller sogar ganz abgelehnt werden - empfiehlt es sich, so früh wie möglich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Unabhängige Versicherungsberater helfen bei der Auswahl.
 
Von Sabine Olschner