Der besondere Master

Seitdem der Bologna-Prozess dafür sorgt, dass europäische Hochschulen das zweistufige Studienkonzept mit den Abschlüssen Bachelor und Master einführen, wimmelt es nur so von verschiedenen Master-Titeln. Dabei nimmt der imageträchtige Titel MBA eine Sonderrolle ein.


Der Master of Business Administration (MBA) ist - so die wörtliche Übersetzung - ein Master in Unternehmensführung. Wer den Abschluss erwirbt, soll daher in der Lage sein, ein Unternehmen zu führen oder dort eine Managementfunktion zu übernehmen. Die Inhalte der so genannten General-Management-Ausbildung umfassen daher die wichtigsten Funktionen eines Unternehmens, von der Buchführung, übers Marketing, bis zur Strategieplanung. Zudem gibt es meist verschiedene Wahlfächer, in denen sich die Studenten auf bestimmte Bereiche oder Branchen spezialisieren können. Allerdings sollte ihr Anteil nicht größer als 40 bis 50 Prozent sein.

Das MBA-Studium ist stets anwendungsorientiert. Es geht also nicht um wissenschaftliche Tiefe, sondern um praktische Anwendungen. Eine beliebte Lehrmethode ist dabei die Fallstudie, bei der Studenten ihr neues Wissen anhand der schriftlichen Darstellung eines konkreten Unternehmensproblems erproben können. Im Gegensatz dazu ist der Master of Science (MSc) stärker theorieorientiert und wissenschaftlich ausgerichtet. Der klassische deutsche Diplom-Kaufmann entspräche daher wohl eher einem MSc in Business Administration.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der MBA ein nicht-konsekutiver Studiengang ist - und zwar im doppelten Sinn. Denn erstens setzt das MBA-Studium einige Jahre Berufserfahrung voraus und kann daher nicht sofort im Anschluss - also konsekutiv - an ein Bachelor-Studium begonnen werden. Zweitens richtet sich der MBA vor allem an Absolventen nicht-wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge mit Interesse an einer Managementaufgabe. Ein MBA-Studium bedeutet daher letztlich einen Fachwechsel.

Soweit die Theorie. In der Praxis bieten viele Hochschulen unter dem Label MBA spezialisierte Master-Programme etwa in Steuerrecht an. Schließlich lässt sich ein MBA eben besser verkaufen als ein MSc. Wer einen "echten" MBA machen will, sollte sich den Lehrplan genau anschauen. Denn letztlich zählt nicht der Titel, sondern was man im Studium gelernt hat.
 
Von Bärbel Schwertfeger