Der Gastgeber ist der Regisseur

Geschäftsessen bergen so manches Fettnäpfchen - für den Gastgeber ebenso wie für den Gast. Worauf sollte man beim Restaurantbesuch mit Kunden und Geschäftspartnern achten?


Das Problem beginnt oft bereits bei der Wahl der richtigen Gaststätte: Wohin lade ich den Geschäftspartner ein? In ein schickes Fünf-Sterne-Lokal oder zum Italiener um die Ecke? "Man sendet dem Gast mit der Einladung bereits Signale", erklärt Anke Quittschau, Expertin für moderne Umgangsformen. So sollte man in der Akquisephase nicht zu dick auftragen, während es bei einem großen Geschäftsabschluss schon teurer sein darf. Neben der Preisfrage sollte man sich grundsätzlich überlegen, wo sich beide Seiten am wohlsten fühlen: "Einen Vegetarier ins Steakhouse einzuladen, wäre ein ziemlicher Fauxpas", so die Inhaberin des Seminarinstituts "korrekt!". Im Zweifel helfe, sich bei der Sekretärin nach besonderen Vorlieben des Gastes zu erkundigen.

Einmal im Restaurant angekommen, geht es um die Wahl des Essens: "Bei einer größeren Gruppe ab acht Personen empfiehlt es sich, ein einheitliches Menü für alle vorzubestellen", rät Anke Quittschau. Bei weniger Teilnehmern kann man auch à la carte bestellen. Der Gastgeber sollte dabei einen Hinweis geben, in welcher Preiskategorie bestellt werden darf - zum Beispiel: "Das Filet war beim letzten Mal ausgezeichnet." Bleibt ein solcher Hinweis aus, gilt die Faustregel: Weder das billigste noch das teuerste Gericht bestellen lieber preislich im Mittelfeld bleiben. Das Thema Wein ist immer heikel. Am einfachsten ist es, diese Frage an das - hoffentlich gut geschulte - Personal weiterzugeben, das den Gästen einen passenden Wein empfiehlt. "Überlassen Sie dem Gast die freie Wahl, kann es für Sie teuer werden", warnt Anke Quittschau. Wer ganz sichergehen will, gibt dem Kellner vorab einen Tipp, in welcher Preiskategorie die Empfehlungen liegen sollten. In guten Restaurants beschränkt sich die Getränkeauswahl übrigens auf Wasser und Wein - Softgetränke oder Bier sind tabu.

In der Zeit, bis das Essen kommt - und auch den Rest des Abends - sollten berufliche Themen möglichst gar nicht zur Sprache kommen. "Geschäftsessen dienen dem Beziehungsaufbau", so die Etikette-Expertin. "Der Gastgeber sollte daher - wenn überhaupt - nur kurz ein oder zwei wichtige Themen ansprechen. Besser ist es, sich auf den üblichen Small Talk zu beschränken." Heikle Themen wie Religion oder Politik bleiben dabei außen vor. Will man explizit geschäftliche Themen besprechen, sollte man sich besser zum Arbeitsessen in der Mittagspause treffen - und dann auch ein Lokal wählen, in dem man unbesorgt einen Schreibblock auf den Tisch legen kann. In besseren Restaurants wird dies nämlich nicht gern gesehen.

Steht das Essen auf dem Tisch, wünscht man sich keineswegs einfach einen "Guten Appetit!". "Sobald jeder seinen Teller vor sich hat, sollte der Gastgeber das Glas erheben und den Gästen für Ihr Kommen danken", so Anke Quittschau. Will der Gast seinerseits einen Dank für die Einladung aussprechen, sollte er damit bis zum nächsten Gang warten, statt das Essen kalt werden zu lassen. Schwierig wird es, wenn ein Gast das Bestellte nicht mag. "Keine große Show daraus machen", lautet der Rat von Anke Quittschau. Der Gast könne anstandshalber ein bisschen im Salat herumstochern und das essen, was ihm möglich ist. Der Gastgeber seinerseits sollte dies einfach ignorieren und den Gast keinesfalls darauf ansprechen. "Das kann für beide Seiten peinlich werden."

Um auch beim Zahlen keine Peinlichkeiten aufkommen zu lassen, rät Anke Quittschau zu klaren Aussagen von Anfang an. Wer sagt: "Ich würde Sie gern zum Essen einladen", stelle klar, dass er die Rechnung übernimmt. Formulierungen wie: "Wir sollten mal zusammen essen gehen" verwirren hingegen nur. Bestellt der Gastgeber nach dem Essen die Rechnung mit den Worten "Ich würde gern zahlen", kann der Gast davon ausgehen, dass er eingeladen ist. Bezahlt wird - auch in Zeiten der Kreditkarte - abseits vom Tisch. "Dort kann man die Rechnung in Ruhe prüfen und der Gast bekommt nicht mit, wie viel das Essen gekostet hat", so Anke Quittschau. Grundsätzlich gelte von der Einladung bis zum Abschied: "Der Gastgeber ist der Regisseur, der es in der Hand hält, wie der Abend verläuft."
 
Von Sabine Olschner