Deadline - in der Abgabefrist liegt die Kraft

Jeder Angestellte, Selbständige oder Student kennt das Phänomen: Das Produkt aus dem Arbeitsaufwand für ein Projekt und der verbleibenden Zeit bleibt immer konstant. Das heißt: Nähert sich die Zeit dem Nullpunkt, steigern sich Arbeitseifer und Energieeinsatz ins Unendliche. Man könnte dieses Phänomen auch kurz als die heilsame Kraft der Deadline bezeichnen.

Wenn es um Arbeit geht, speziell unangenehme, neigt fast jeder Mensch zum Prokrastinieren. Knapp übersetzt bedeutet es schlicht ein "Verschieben auf Morgen" und ist nach Max Goldt ein "nicht zeitmangelbedigtes, qualvolles Aufschieben dringlicher Arbeiten in Verbindung mit manischer Selbstablenkung".
Dieses Aufschiebeverhalten kann man leichtfertig in die Schublade "schlechte Manieren und fehlende Selbstdisziplin" stecken und damit verharmlosen, in der Wissenschaft hat man jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten in hunderten von Veröffentlichungen und Umfragen den Forschungsbedarf erkannt.

Termintreue muss sich lohnen
In dem Buch "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" beschreiben Kathrin Passig und Sascha Lobo den Menschentyp des "LOBO". Das Kürzel steht für "Lifestyle of bad organisation" und ist genauso wie die Abkürzung "LOHAS" oder ähnlich dümmliche Sprachverknappungen der ungeschickte Versuch, einen bestimmten Charaktertypen zu kategorisieren.

Die Autoren berichten von Experimenten, in den Studenten von Psychologen gebeten wurden einzuschätzen, wann sie bestimmte Arbeiten abschließen würden. Egal ob es sich um eine pessimistische, realistische oder optimistische Prognose handelte, der Hälfte der Teilnehmer gelang es nicht, ihr Projekt zu irgendeinem der Zeitpunkte abzuschließen. Denn aus eigener Erfahrung funktionieren Deadlines nur dann, wenn Sanktionen von außen, wie Geldeinbußen, Jobverlust oder ein verpasstes Diplom, drohen.

Der richtige Umgang mit Deadlines
Auch wenn man sich selbst nicht als "LOBO" bezeichnen würde, sind die folgenden Tipps der Autoren für den Umgang mit Deadlines hilfreich und brauchbar:

  • Geben Sie Vorhersagen über die benötigte Zeit eines Projektes nie vor Publikum ab. Unbewusst wollen Sie einen guten Eindruck erwecken und verschätzen sich dabei hundertprozentig.
  • Falls der Abgabetermin von außen kommt, stellen Sie sicher, dass es sich um eine "echte" Deadline handelt, sprich die Erledigung danach sinnlos geworden ist. Wenn man die Möglichkeit einer Verlängerung schon vorher eingeräumt bekommt, wird man diese auch nutzen.
  • Zur besseren Planung sollte man ein Projekt in überschaubare Schritte mit Zwischendeadlines unterteilen. Meist scheitert man dann zwar knapp an jeder gesetzten Deadline, erspart sich aber ein mögliches katastrophales Scheitern am Schluss.


Wer nun schamvoll wegen seines letzten verspäteten Abgabetermins zu Boden blickt, dem sei zur Beruhigung versichert, dass er sich in bester Gesellschaft befindet. Denn laut einiger Studien werden über die Hälfte aller Softwareprojekte weltweit verspätet fertig gestellt. Und gab es da in Deutschland nicht einige Schwierigkeiten mit der Fertigstellung eines gewissen Flughafens?
 
Von Manuel Boecker