Das kann doch nicht alles gewesen sein

... das bisschen Sonntag und Kinderschrein, das muss doch noch irgendwo hingehn.

Letztes Jahr hat der Tod an unser Fenster geklopft und freundlich durch die Glasscheibe gewunken. Er wollte nicht rein kommen, nur mal kurz Hallo sagen und uns Bescheid geben, dass er weiß, wo wir wohnen. Es hat lange gedauert, bis wir es überhaupt realisiert hatten, denn sterben, das tun nur die anderen. Es ist auch gut, dass wir nicht täglich an unsere Ende denken, ansonsten wären wir unfähig zu leben. Wir wären wie erstarrt vor Angst und jede Tätigkeit würde vor der Tatsache des Sterbens an Sinn verlieren. Wir Menschen lieben Pläne und Visionen, denken oft an später. Ja wenn, ja wenn wir die Schule hinter uns gebracht haben, ja wenn die Lehre oder das Studium vorüber sind, ja dann kann es mit dem Leben los gehen.

"Das kann doch nicht alles gewesen sein
das muss doch noch irgend was kommen! nein
da muss doch noch Leebn ins Leebn, eebn."

Aber nein, immer wieder läuft es ganz anders, wie es geplant war, wir stellen fest, dass der Kompromiss unser zweiter Vorname wird.

"He, Kumpel, wo bleibt da im Ernst mein Spaß?
Nur Schaffn und Raffn und Hustn und Hass
und dann noch den Löffl abgebn"

Die Ausbildung, der Job, vielleicht der Partner oder gar das ganze Lebenskonzept wird so hingenommen, wie es uns serviert wird.
Manche von uns kämpfen dagegen an, doch die meisten winken resigniert ab.

"Die Überstundn, das bisschen Kies
und aabns inner Glotze das Paradies
da in kann ich doch keinen Sinn sehn"

Letzte Woche konnte ich lesen, dass zwei von drei Angestellten mit ihrer Arbeit unglücklich sind. Der Tag hat 24 Stunden, davon werden, mit Anfahrt und Heimfahrt, elf Stunden an der Arbeitsstelle verbracht. Dazu kommen durchschnittlich sieben Stunden Schlaf, macht also 18 Stunden. Es bleiben also zwei Drittel der Beschäftigten ca. sechs Stunden zum Glücklichsein.

"Das soll nun alles gewesen sein
das bisschen Fußball und Führerschein
und das war nun das donnernde Leebn,
Ich will noch 'n bisschen was Blaues sehn
und will noch paar eckige Rundn drehn
und dann erst den Löffel abgebn"*

Carpe diem! Das Leben ist eine Reise, die zu Ende gehen wird.

*Herzlichen Dank an Wolf Biermann für seine Zeilen.
 
Von Adriane Böhm