DAAD - Eine peinliche Geschichte

Mit seinem Sonderprogramm "A New Passage to India" will der Deutsche Akademischen Austauschdienst (DAAD) den Studentenaustausch mit Indien intensivieren. Fördergelder in Höhe von 80.000 Euro sollte dabei ausgerechnet das Sommerprogramm einer deutschen Hochschule mit dem umstrittenen IIPM bekommen. Nun zog der DAAD die Notbremse.

Während derzeit rund 4.000 Inder an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind, studieren nur etwa 150 Deutsche in Indien. Das soll das neue Programm "A Passage to India" ändern. 3,1 Millionen Euro stellt das Bildungsministerium dem DAAD dabei allein 2009 für Studien- und Forschungsaufenthalte an indischen Hochschulen zur Verfügung.

Einer der Gewinner ist das Sommerprogramm der Hochschule Neu-Ulm. "Das kompakte Programm mit Theorie und Praxis, unsere Erfahrung und das Renommee unserer indischen Partnerhochschule waren ausschlaggebend für den Erfolg unseres Förderantrags", erklärte Projektleiter und Professor Klaus Lang. Im September 2009 und 2010 sollten daher jeweils 30 Studenten der Hochschule vier Wochen am Indian Institute of Planning and Management (IIPM) in Bangalore studieren und dabei mit 80.000 Euro vom DAAD unterstützt werden.

Zweifelhafte Kooperation mit der IIPM
Bereits 2008 hatten 25 Studierende aus Neu-Ulm einen Studienaufenthalt am IIPM. "Die Auswahlkommission zeigte sich beeindruckt von den sehr guten Erfahrungen der bisherigen Kooperation", schreibt der DAAD. So seien nicht nur der Verlauf und die Ergebnisse der Sommerschule gut belegt, der damals zuständige Projektverantwortliche Professor Bernard H. Wagemann habe sogar die Zusage der Schirmherrschaft von Bildungsministerin Annette Schavan erhalten.

Dass es sich bei dem IIPM um eine äußerst umstrittene Schule handelt, die zudem in Indien nicht als Hochschule anerkannt ist, fiel offenbar niemandem auf. Wie MBA Channel vor kurzem berichtete, hat das IIPM wiederholt mit renommierten Partnerschulen geworben, die eine Kooperation bestritten. Bereits 2007 distanzierte sich die Stanford Graduate School of Business deutlich von den falschen Angaben des IIPM. Im Juni forderte die Booth School of Business an der University of Chicago das IIPM auf, ihren Namen umgehend von den IIPM-Websites zu entfernen.

Schon eine einfache Google-Abfrage hätte genügt, um zahlreiche Informationen über die fragwürdige indische Schule zu finden. Sogar einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag gibt es. Doch diese Mühe hat man sich an der Hochschule Neu-Ulm offenbar nicht gemacht.

Kein Standard
Aber auch der DAAD hat bei der formalen Überprüfung des Förderantrags geschlampt. "Wir haben erst durch Ihre Anfrage festgestellt, dass wir da einen Fehler gemacht haben", erklärt Nina Lemmens, Leiterin der Abteilung Internationalisierung und Kommunikation des DAAD und vorherige Leiterin der Gruppe Asien-Pazifik. Bedauerlicherweise sei übersehen worden, dass das IIPM "nicht unseren Standards" entspricht.

Nach Abwägung des möglichen Schadens habe man sich aber entschlossen, der Hochschule Neu-Ulm für dieses Jahr die Förderung für ihr Projekt nicht kurzfristig zu entziehen, um den Studienerfolg der betroffenen deutschen Studierenden nicht zu gefährden. Allerdings bemühe sich die Hochschule in Abstimmung mit dem DAAD darum, kurzfristig eine andere Partnerschule zu finden. "Das Ganze ist eine peinliche und unangenehme Geschichte", so die DAAD-Leiterin.

Auch die renommierte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen wäre beinahe eine Kooperation mit dem IIPM eingegangen. Nur weil die Inder den Vertrag nie zurückschickten, kam der Austausch nicht zustande. Man habe sich 2007 beim DAAD nach der Schule erkundigt, sagt Heide Naderer, Leiterin des International Office. Die Anfrage wurde an den damaligen Leiter der Außenstelle des DAAD in Neu Delhi, Ulrich Podewils, weitergeleitet. Dieser antwortete, dass das IIPM in den Rankings zu den besten zehn aus einer Gruppe von etwa 1.000 Schulen zählt. "Aber auch wenn wir diese Zahl auf 100 reduzieren, kommt sie unter die besten zehn Prozent ... Also, IIPM zählt zu den besseren B-Schools in Indien."

Daraus habe sie nicht entnommen, dass es sich beim IIPM um eine fragwürdige und nicht anerkannte Hochschule handele, sagt Naderer. Natürlich verlasse sie sich auf den DAAD. "Das wäre eine ziemliche Katastrophe gewesen", sagt sie. "Wir hätten niemals einen Austausch mit einer nicht anerkannten Hochschule gemacht. Da könnte man ja auch keine Credits übernehmen."

Nicht jede Hochschule zeigt sich betroffen
Andere Hochschulen sind da deutlich sorgloser. So hat auch die Universität Bayreuth ein Austauschprogramm mit dem IIPM. Einige der Studenten hätten dort ein Semester verbracht und den Aufenthalt durchaus gewinnend empfunden, schreibt Reinhard Meckl, Professor am Lehrstuhl für internationales Management. Er habe zwar schon öfter von problematischen Praktiken des IIPM gehört, bislang aber keinen Grund gesehen, die Zusammenarbeit mit dem IIPM zu beenden.

Geradezu uneinsichtig zeigt sich die Mercator School of Management an der Universität Duisburg-Essen, die seit 2009 ein Austauschprogramm für Master-Studenten mit dem IIPM anbietet. Auf der Website heißt es dazu: "Das IIPM wird von unabhängigen Institutionen durchgehend sehr hoch gerankt und findet sich zumeist unter den Top 10 der indischen Business Schools wieder." Ein Studium am IIPM biete "auch akademisch eine hervorragende Ergänzung zu dem Studium in Deutschland".

Auch nachdem die Uni mit den Fakten über das IIPM konfrontiert wurde, hält sie an ihrer Kooperation fest. Man habe "im Vorfeld gründlich geprüft, ob das IIPM als Partner für einen Studierendenaustausch infrage kommt" und dabei hätten sich "keine Anhaltspunkte ergeben, die Kooperation nicht einzugehen".


Via www.mba-journal.de
 
Von Bärbel Schwertfeger