Corporate Volunteering - Tue Gutes

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern so genannte Corporate Volunteering-Programme an. Sie umfassen sowohl den Einsatz von Mitarbeitern in gemeinnützigen Projekten als auch die Förderung ihres freiwilligen Engagements durch Geld oder Freistellung.

Ein halbes Jahr kümmerte sich Anne-Marie Deans nicht um Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung, sondern um die Bekämpfung von Malaria. Zusammen mit ihren sechs Teamkollegen unterstützte die Unternehmensberaterin bei der Boston Consulting Group (BCG) honorarfrei die "Roll Back Malaria"-Partnerschaft, die sich zum Ziel gesetzt hatte, bis 2010 mindestens 80 Prozent der malariagefährdeten Bevölkerung vor den Erregern zu schützen. "Wir haben eine Strategie entwickelt, wie sich diese ambitionierten Ziele erreichen lassen - insbesondere finanziell", erklärt die promovierte Biologin. Dazu organisierte das Team Treffen mit den Mitgliedsorganisationen wie Unicef sowie Vertretern der betroffenen Länder, diskutierte mit Wissenschaftlern über aktuelle Forschungsergebnisse und entwickelte konkrete Aktionspläne. "Es war eine sehr inspirierende, aber auch sehr herausfordernde Aufgabe mit so vielen unterschiedlichen Akteuren zusammenzuarbeiten", resümiert die 29-jährige. Und manchmal scheiterte es auch an ganz banalen Dingen. So fehlten etwa in Westafrika die Lastwagen, um die beschafften Moskitonetze in die Dörfer zu bringen.

Projekte mit Konzept
Wie BCG unterstützen immer mehr Unternehmen ein ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiter. Als Vorreiter in Deutschland gilt der Konzern Henkel. Dort engagiert sich knapp ein Fünftel der 11.000 Mitarbeiter in Deutschland. Gab es 1998 erst 59 Projekte, so sind es heute bereits weltweit 1.301. "Bei uns bekommt jeder Mitarbeiter Unterstützung, sei es in Form von Geld, Produktspenden oder bezahlter Freistellung von bis zu fünf Tagen im Jahr", erklärt Christa Büchler, Leiterin Corporate Donations bei Henkel. Dabei richtet sich die Höhe der Förderung stets nach dem Ausmaß des Engagements. "Wer viel tut, für den tun wir auch viel", so Büchler. Allein für Kinder- und Jugendprojekte stellt der Konzern dabei jährlich eine Million Euro zur Verfügung.

Bei der Deutschen Bank gibt es seit drei Jahren ein umfassendes Konzept für den freiwilligen Einsatz. So sind für die Trainees zwei Tage "Arbeit mit den Händen" Pflicht. Dabei werden dann unter fachkundiger Anleitung Schulen oder Kindergärten gestrichen oder renoviert. MBA-Absolventen, die in die Bank einsteigen, müssen dagegen Kopfarbeit leisten und gemeinnützige Partner-Organisationen beraten. So haben zum Beispiel vier Mitarbeiter ein Fundraising-Konzept für die Welttoiletten-Organisation erarbeitet.
Aber auch andere Bank-Mitarbeiter profitieren von ihrem Engagement. Wenn sie sich mindestens einen Tag ehrenamtlich engagieren, unterstützt die Bank die Organisation, für die sie tätig sind, mit 500 Euro. Zudem können sie sich - in Absprache mit seinem Chef - einen Tag pro Jahr freistellen lassen. 

Non-Profit-Organisationen sind auf Fachwissen angewiesen
Beim Computerkonzern IBM gibt es seit 2004 eine nachfrageorientierte Community. Auf der Website kann sich jeder Mitarbeiter registrieren und bekommt so Zugriff auf Unterstützung und Kontakte zu anderen Engagierten. In Deutschland sind bereits über 4.000 Mitarbeiter aktiv. "Sie suchen sich einen Bereich, in dem sie sich engagieren wollen und gestalten ihren Einsatz selbst", erklärt Peter Kusterer, Projektleiter für Corporate Volunteering bei IBM. Häufig gehe es dabei um die Bereitstellung von Know-how bei Projekten. "Gerade Non-Profit-Organisationen sind hier oft auf professionelle Expertise angewiesen", so Kusterer. Ebenfalls beliebt sind Projekte an Schulen. Hier sind allein in Deutschland 300 IBM-Mitarbeiter tätig. Der Einsatz findet stets in der Freizeit statt. Wer 50 Stunden in fünf Monaten investiert hat, kann einmal im Jahr von IBM eine Spende von tausend Dollar für die von ihm betreute Einrichtung beantragen.

Für BCG-Beraterin Deans war der Einsatz ein prägendes Erlebnis. "Die Konfrontation mit einer globalen Herausforderung hilft einem, die eigenen Probleme und Wünsche in die richtige Perspektive zu rücken", sagt die 29-jährige, die gern später noch einmal bei einem sozialen Projekt mitwirken würde. Aber zunächst freut sie sich wieder auf ihren Einsatz in der Wirtschaft.
 
Von Bärbel Schwertfeger