Consulter suchen Nachwuchs

Wie viele Glühbirnen braucht Berlin?
Die Consulting-Branche ist auf Nachwuchs-Suche. Händeringend fahnden sie nach Bewerbern mit exzellentem Lebenslauf: Gewünscht sind Kandidaten mit erstklassigem Universitätsabschluss - ein Fachhochschulabschluss reicht nicht - oder Akademiker mit ein paar Jahren glänzender Berufserfahrung.

Die Boston Consulting Group (BCG) will allein in diesem Jahr 170 Berater einstellen. Bei McKinsey sind es gar 200. Diesen stehen allerdings jährlich 15.000 Bewerber gegenüber, sagt Nina Wessels, Director of Recruiting bei McKinsey. Um die richtigen Kandidaten für das mit etwa 70.000 Euro Einstiegsgehalt dotierte Business zu erhalten, rekrutieren die Beratungsunternehmen ihren Nachwuchs über zahlreiche Infoveranstaltungen an den Universitäten und massiv über das Internet. Initiativbewerbungen sind jederzeit möglich. Für Studenten, die sich erst einmal probeweise Beraterluft um die Nase wehen lassen wollen, bieten praktisch alle Strategie-Berater Praktika an. Wer gerade einen Master of Business Administration (MBA) macht, ist ebenfalls herzlich willkommen. Roland Berger zum Beispiel bietet für diese Gruppe zwei- bis dreimonatige Praktika in einem seiner weltweiten Büros an. Bei einem guten Eindruck ist der lukrative Einstieg als Senior Consultant möglich. Bei den Konkurrenzunternehmen ist die Situation ähnlich.

Auch nach ein paar Jahren erfolgreicher Berufstätigkeit ist der Wechsel in die Beraterbranche möglich. Personal- und Budgetverantwortung sind dann jedoch Voraussetzung. Der spätere Wechsel in die Consulting-Zunft wird mit einem Anfangsgehalt von 150.000 Euro und mehr im Jahr erleichtert. Das Suchprofil ist in der Branche recht einheitlich: Die Studien- oder Berufsrichtung ist nicht entscheidend. Zwar ist jeder zweite Berater Wirtschaftswissenschaftler. Doch alle Consulting-Unternehmen betonen, dass sie breit aufgestellt sein wollen. Wichtig ist deshalb nicht wo sondern dass Bestleistungen im bisherigen Studien- oder Berufsverlauf erbracht wurden. Auch legen die Berater Wert auf Charakter, der sich ruhig in Exzentrik ausdrücken kann. Mainstream ist nicht gefragt, denn die Lust auf neue Wege soll auch der Lebenslauf unter Beweis stellen. Auslandserfahrungen sind quasi Pflicht.

Außerdem müssen die Bewerber belastbar sein. Schließlich sind meist 14-16-Stunden-Arbeitstage fern der Heimat und Wochenendarbeit die Regel. Auch sollen die Bewerber kreativ bei Problemlösungen sein, sich gut ausdrücken können und mit Zahlen umgehen können. Kurzweilige Beispielaufgaben sind Kernbestandteil jedes Bewerbungsgespräches. Eine typische Frage ist zum Beispiel, wie viel Glühbirnen in Berlin wohl jährlich in die Lampenfassungen geschraubt werden. Entscheidend ist dabei, wie der Bewerber an das Thema herangeht: Berücksichtigt er, dass die Menschen nicht nur zu Hause wohnen, sondern auch zur Arbeit gehen? Kann er im Kopf mit sechsstelligen Zahlen jonglieren? Kennt er Fakten wie die Bevölkerungsstärke Berlins? Beispielaufgaben haben BCG, McKinsey und andere zum Selbsttest ins Netz gestellt.

Einige Beratungsunternehmen bieten sogar an, die Doktorarbeit von Beratern zu fördern. Roland Berger ist dafür ein Beispiel. Wer schon einen Doktortitel hat, kann beim Gehalt gleich mit einem Gehaltsaufschlag beim Einstieg rechnen.

Für die Wenigsten ist der Beraterjob eine Aufgabe fürs Leben. Grow or go heißt in der Branche die Devise: Wer an den ständig steigenden Anforderungen scheitert oder irgendwann die 100-Arbeitstunden-Woche ebenso satt hat wie die Probleme mit Partner oder Familie, der wird gehen oder - meist sachte - herausgedrängt. Von den derzeit über 600 Mitarbeitern bei BCG in Deutschland oder 1900 bei McKinsey in Deutschland und Österreich scheiden jährlich rund ein Drittel aus. Outplacements und Abfindung federn den Ausstieg aus dem Beraterjob meist ab. Die Chance, in der restlichen Wirtschaft wieder eingestellt zu werden, ist hoch.
 
Von Peter-Paul Weiler