Clever bewerben

Vier Monate lang auf Inserate beworben, dann endlich ist der Job unter Dach und Fach. Der Kollege, der sich aufs Geratewohl bewarb, ist schon seit drei Monaten an Bord. Dumm gelaufen.

Warum kostbare Zeit vertrödeln? Wer sich bewirbt, ohne auf ein Stellenangebot Bezug zu nehmen, hat gegenüber dem konventionellen Bewerber mehrere Trümpfe in der Hand. Trifft sein Profil den personellen Bedarf des Arbeitgebers, braucht das Unternehmen den langwierigen und kostspieligen Prozess der Stellenausschreibung erst gar nicht in Gang zu setzen. Zweiter Pluspunkt: Initiativbewerber dokumentieren mit ihrem Verhalten genau das, worauf die Personalexperten besonders achten: Entschlossenheit und hohe Motivation. Wer diese Eigenschaften neben der selbstverständlich nachgewiesenen Fachkompetenz mitbringt, wird in aller Regel mit "Kusshand" eingestellt.

Initiative ergreifen
Um es ein für allemal klarzustellen: Initiativ ist nicht, wer sich blind bewirbt. Blindbewerber schicken zigfach kopierte und identische Briefe in der Hoffnung wahllos herum, irgendjemand werde sich ihrer schon annehmen. Anders der Initiativbewerber: Intensiv hat er sich über Branchen informiert und gezielt einige Unternehmen für seine Aktion ausgewählt. Und ruft in den Firmen an.

Er ist clever und übt Geduld, bis er endlich den richtigen Ansprechpartner an die Strippe kriegt. Der für ihn entscheidenden Person sagt er kurz, als was, wofür und warum er sich gern bewerben würde und skizziert knapp und verständlich, was er kann. Weil er gut vorbereitet ist, vermeidet er überflüssige Fragen oder umständliche Erklärungen. Er strapaziert seinen Gesprächspartner nicht und will auch kein Mitleid erwecken. Als Stratege weiß er: Hat der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung sich Notizen gemacht, fällt ihm das Telefonat schnell wieder ein, sobald er durch die Bewerbungsunterlagen blättert.
 
Von Winfried Gertz