Call of the Wild - Wie effektiv sind Outdoor-Trainings?

"Jetzt lieber draußen sein", denkt sich so mancher im Mai. Gerne machen Chefs eine Tugend daraus. Nichts liegt näher, als die sowieso überfällige Teamentwicklungsmaßnahme in die Natur zu verlegen. "Outdoor-Teamtraining" heißt die magische Formel: Eine Kombination aus Weiterbildung, Gruppenaktivität und frischer Luft soll die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens steigern.

"Outdoor-Teamtrainings sind jedes Jahr ab Frühling stark nachgefragt" wissen Axel Humbert und Christoph Staehle, Geschäftsführer der Taunatours GmbH & Co. KG in Oberreifenberg im Taunus. Draußen aktiv sein sei "hip", die damit assoziierte sportliche Dynamik entspreche dem Zeitgeist. Die Vorstellungen der Kunden über ein solches Training seien allerdings meist unklar, vermischten sie doch spektakuläre Events mit problemorientierten Personalentwicklungsmaßnahmen. Das breite Spektrum an Vorstellungen führte oft zu einer unrealistischen Erwartungshaltung auf Kundenseite, wodurch nicht nur das Planen einer Veranstaltung deutlich verkompliziert würde. "Der Anbietermarkt trägt leider ebenfalls zu dieser Unklarheit bei", so Humbert und Staehle, "denn viele Mitbewerber differenzieren bereits in ihrer Angebotspalette nicht eindeutig genug zwischen Event und Training".

"Die meisten so genannten Outdoor-Trainings", erläutert Gerhard Comelli, Managementtrainer und emeritierter Professor für Psychologie, sind "nicht als Teamentwicklungstrainings zu bezeichnen". Das Lernszenario beim Outdoor-Training entspreche nicht der Teamsituation im betrieblichen Alltag, wodurch sich Transferprobleme ergäben, denn das Teamtraining ziele letztlich auf die Steigerung der Fähigkeit des Teams, aktuelle oder zukünftige Probleme zu lösen. Dies solle laut Comelli bei den Vorbereitungen für das Teamtraining zwischen den Beteiligten geklärt werden, denn die Aufgaben im Rahmen eines Outdoor-Trainings stellten sich im betrieblichen Kontext so nicht. "Nicht alles, was teambildend wirkt", so Comelli, "ist automatisch auch ein Teamtraining".

Typischerweise werden so genannte Outdoor-Teamtrainings als Produkte von der Stange verkauft, bei denen sich die Konzeption darauf beschränkt, verschiedene Übungen entsprechend der Kundenwünsche aneinander zu reihen. Eine Problemanalyse mit einem daraus resultierenden Trainingsdesign findet nicht statt. So ergibt sich der Eventcharakter der meisten Outdoor-Veranstaltungen, der durchaus gewünscht sein kann, aber kein qualifiziertes Teamtraining ersetzt. Die Aufwertung vom Event zum Training macht sich zwar im Preis bemerkbar, aber der Großteil der Kosten entsteht, weil das Team oder die Abteilung für ein bis zwei Arbeitstage ausfällt. Denkt man an die potenzielle Effektivitätssteigerung durch eine qualifizierte Teamentwicklungsmaßnahme, dann lohnt sich die Investition.

"Die Effektivität des Trainings steht und fällt mit dem Konzept", betont Axel Humbert, und sein Kompagnon Christoph Staehle ergänzt: "Schon beim ersten Kontakt betonen wir diese Details, um den Kunden bei der Differenzierung seiner Ansprüche zu unterstützen". Taunatours, seit 2001 am Markt und auf "Outdoor" spezialisiert, könne die komplette Outdoor-Palette abdecken - egal, ob sich der Kunde ein spektakuläres Event oder ein Teamentwicklungstraining wünsche, das Unternehmen verfüge über erfahrene Mitarbeiter in beiden Bereichen. "Um unser Angebot deutlicher zu differenzieren, haben wir einen eigenen Trainingsbereich geschaffen", so die beiden Taunatours-Chefs. Hier seien erfahrene Personalberater für die maßgeschneiderte Trainingskonzeption verantwortlich, die sich an der Problemlage des jeweiligen Kunden orientiere und gegebenenfalls Elemente der Outdoor-Methode mit einfließen lasse, sofern dies angemessen und gewünscht sei. Dies sei notwendig, um auf allen Seiten Klarheit über Anforderungen, Erwartungen und Möglichkeiten bezüglich der Teamentwicklungsmaßnahmen zu schaffen. Nur so könne auch größtmögliche Kundenzufriedenheit und ein entsprechender Trainingserfolg gewährleistet werden. Für dessen nachhaltige Sicherung seien schließlich intensive Vor- und Nachbereitung des Trainings unverzichtbar. "Leider sind manche Kunden nur schwer davon zu überzeugen", unterstreicht das Führungsteam von Taunatours, denn dynamische Outdoorveranstaltungen gelten zwar als chic - aktuelle Probleme mit dem Team offen anzugehen empfinde man dagegen eher als unfein. "Ein Großteil der Teamentwicklungsmaßnahmen", so Humbert und Staehle, "könnte wesentlich effektiver sein, wenn die Kunden für eine konsequente Trainingskonzeptionsphase offener wären".
 
Von James E. Manham