Brüssel - Mekka für Senkrechtstarter

Die belgische Hauptstadt steht nicht nur zur Wahl des europäischen Parlaments wochenlang im Fokus. Brüssel übt auch eine hohe Anziehungskraft auf den Nachwuchs aus, der eine internationale Karriere anstrebt.

Wer mit offenen Augen durch die mittelalterlichen Gassen rund um den Grande Place oder den Fischmarkt streift, kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Hier tummelt sich ein bunt gemischtes Völkchen aus aller Herren Länder. Der Taxifahrer, der den Gast vom Flughafen zum "The White Hotel" bringt, ist Kongolese und verwickelt seinen Passagier flugs in eine Fachsimpelei über den aufstrebenden afrikanischen Fußball. Klar dass er ebenso mehrsprachig ist wie die luxemburgische Empfangsdame im Hotel, die locker in vier Sprachen parliert.

Sprachliche Begabung hilft weiter
85 Prozent der in Brüssel gemeldeten Einwohner sprechen französisch, wie Bart Vandeputte, Wirtschaftsattach des Belgischen Generalskonsulats in Köln, dem interessierten Hauptstadtgast erläutert. Und selbstverständlich ist ohne Englisch, der Weltsprache Nummer eins, zumindest im internationalen Geschäftsalltag wenig auszurichten. Doch wer wirklich nach vorn kommen wolle, sei es in seiner Karriere und vor allem mit einer Firmenansiedlung, "muss Flämisch sprechen". Nicht nur die Alteingesessenen beharren darauf, dass ihre Muttersprache nicht gänzlich in den Schatten tritt. Auch in der lokalen Verwaltung, wo man sich als Neubürger anmelden oder zur Ansiedlung seiner Firma wichtige Behördengänge erledigen muss, ist Flämisch gesprochene Sprache.

Dennoch - dass Brüssel frankophon geprägt ist, erkennt man allein an der Qualität der Restaurants. Sie sind voll wie die gestopfte Gänseleber, die nicht nur hier als Delikatesse gerühmt ist. Man lässt sich auch länger nieder, so wie es Franzosen beim Essen eben lieben. Essen und Trinken hält Leib und Leben zusammen - auch für die unzähligen Lobbyisten. Dieses illustre Völkchen hat Brüssel fest im Griff. Wo auch immer sich Menschen begegnen, um wichtige Entscheidungen vorzubereiten, Lobbyisten sind stets mit von der Partie.

Spannende Aufgaben für den Nachwuchs
Einer ist Max von Abendroth, in der EU-Metropole zieht der mehrsprachige Absolvent der Uni Witten/Herdecke im Auftrag der Europäischen Verleger vielfältige Strippen. Sein kleines Team vertritt die Interessen von rund 15.000 Verlagen von Helsinki bis Athen. Wenn sich 785 Parlamentarier aus 27 Staaten mal wieder mit Referentenentwürfen oder Gesetzesvorlagen zur Pressefreiheit oder zu Werbeverboten befassen, hat der Mittdreißiger von Abendroth gewiss seine Finger im Spiel.

Vielseitig ist auch der Berufsalltag von Diane Risopoulos. Sie leitet das Brüsseler Büro der Berliner Agentur Media Consulta, die Unternehmen und staatliche Stellen in ihrer Außendarstellung unterstützt. Risopoulos ist in Belgien als Tochter griechisch-englischer Eltern aufgewachsen und hat nach dem Studium in China bei der PR-Agentur Ogilvy gearbeitet. Im Auftrag der Wirtschaftsförderer von "Invest in Brussels" hilft sie Unternehmen, die sich für eine Ansiedlung in EU-Nähe interessieren, mit wichtigen Personen und Organisationen vor Ort Kontakte zu knüpfen.

Mit ihrem sprachlich wie kulturell vielschichtigen Hintergrund ist Risopoulos eine typische Repräsentantin der in jeder Hinsicht internationalen Metropole Brüssel, einer Stadt, von der auf absehbare Zeit gewiss viele talentierte Nachwuchskräfte aus aller Welt magisch angezogen werden.
 
Von Max Leonberg