Brainteaser - ungewöhnliche Auswahlmethoden

Wer bei Consulting-Unternehmen einsteigen will, wird nicht selten mit seltsamen Fragen konfrontiert: Man will wissen, warum Kanaldeckel rund sind oder wie viele Tassen Kaffee pro Monat im Financial District of London getrunken werden. Was steckt hinter diesen sogenannten Brainteasern? Und wie findet man die besten Antworten auf vertrackte Fragen im Vorstellungsgespräch?

Bevor sich ein Leser den Kopf zerbricht, eines vorweg: "Richtige" Antworten auf die oben genannten Fragen gibt es nicht. Brainteaser dienen den Consulting-Unternehmen vielmehr dazu, zu erproben, wie kreativ ihre Bewerber sind. "Wir testen in unseren Vorstellungsgesprächen das logische Denkvermögen und auch das Zahlenverständnis der Bewerber", nennt zum Beispiel Arndt Möller von Capgemini einen Grund für den Einsatz von Brainteasern. Alternativ werden diese Fragen übrigens auch Case Studies genannt.

Ein weiteres Ziel der Consultants: Herauszufinden, wie die Kandidaten an ein komplexes Problem herangehen. "Berater werden im Alltag kontinuierlich mit neuen Projekten und Fragestellungen konfrontiert", so der Recruiting-Verantwortliche der Strategieberatung. "Brainteaser zeigen uns, wie Bewerber an ein komplexes Problem herangehen, wie sie es strukturieren und nach Lösungswegen suchen." Wer um die Ecke denken kann und dabei die Logik nicht aus den Augen verliert, hat also schon gewonnen. Eine Prise Humor kann auch nicht schaden. Und als Warnung an den Bewerber, der meint, er könne den Consultants ein Schnippchen schlagen, indem er sich besonders gut vorbereitet: Es bringt nichts, Antworten auf Case Studies auswendig zu lernen - ganz im Gegenteil: "Wir bitten unsere Bewerber, dass sie uns ehrlich sagen, wenn sie einen Brainteaser, den wir stellen, schon kennen", so Arndt Möller. Personalern merken schnell, wenn jemand die Lösung auswendig aufsagt.

Auf Brainteaser einstellen kann man sich dennoch: Wer sich im Vorfeld ein paar der Fragen anschaut, wird bei der Suche nach einer Antwort zumindest nicht ganz auf dem Schlauch stehen. Zwar gibt es Hunderte von Fragen - und die Unternehmen müssen sich immer wieder neue ausdenken, weil sich die Antworten unter Bewerbern herumsprechen. Doch im Grunde lassen sich Brainteaser in zwei große Gruppen teilen: Die einen testen die Kreativität. Dazu gehören Fragen wie "Welche Funktionen hat das Handy im Jahr 2020?" oder "Wie finde ich heraus, ob das Licht im Kühlschrank brennt, wenn die Tür zu ist?". Bewerber sollten ihren Ideen freien Lauf lassen und auch einmal ungewöhnliche Gedankenwege gehen.

Die zweite Fragengruppe zielt auf das strukturierte und analytische Denkvermögen ab: Es müssen Schätzungen abgegeben und Annahmen validiert werden. Brainteaser dieser Kategorie sind zum Beispiel: "Wie viele Golfbälle werden jährlich in New York verkauft?" oder "Wie viele Cola-Dosen lassen sich aus einer Boeing 747 herstellen?". Die Vorgehensweise ist immer gleich: Das Problem wird eingekreist, indem man Schätzungen abgibt. Im Fall der Boeing könnte man beispielsweise überschlagen, wie groß die Grundfläche einer Boeing ist. Danach berechnet man die Fläche eine Getränke-Dose (hier sollte man mathematisch tatsächlich fit sein!) und teilt anschließend die Flugzeug-Fläche durch die Dosen-Fläche.

Einige Brainteaser konzentrieren sich ganz auf die mathematischen Kenntnisse der Bewerber: "Wie groß ist die Summe aller Winkel in einem 32-Eck?" ist ein Beispiel. Antwort: 5400 Grad. Wohl dem, der in Mathematik aufgepasst hat. Findet man tatsächlich überhaupt keinen Ansatz, wie das Problem zu lösen wäre, rät Arndt Möller, einfach zu fragen: "Wenn Sie die Aufgabenstellung nicht verstanden haben, suchen Sie den Dialog mit dem Gesprächspartner. Fragen Sie ihn, wie Sie am besten vorgehen sollen - und teilen Sie ihm Ihre eigenen Gedanken und Ideen mit." Ähnlich läuft es schließlich auch später im Arbeitsalltag ab: Teams setzen sich zusammen, um gemeinsam ein Problem zu lösen. Kein Consultant wird allein in seinem Kämmerlein über einer kniffeligen Frage brüten müssen.
 
Von Sabine Olschner