Boom durch Krise?

Die Turbulenzen an den Börsen werden letztlich auch Auswirkungen auf die Jobchancen von MBA-Absolventen haben. Schließlich landet ein Großteil der MBAs im Investmentbanking. Andererseits nutzen viele die flauen Phasen für ein MBA-Studium.

Der Mechanismus ist bereits bekannt: Lahmt die Konjunktur, steigt das Interesse am MBA-Studium. Das war auch schon nach dem Platzen der Internet-Blase so. Der Grund ist einleuchtend: Die Opportunitätskosten sinken. Denn floriert die Wirtschaft, müssen MBA-Studenten während der Studienzeit auf hohe Gehälter und Bonuszahlungen verzichten. Ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt dagegen schlecht, reduzieren sich die entgangenen Einkünfte und die Zeit lässt sich für die eigene Weiterqualifizierung nutzen. Und wer gar seinen Job verloren hat, der taucht einfach ab ins MBA-Studium und macht danach - wenn die Flaute wieder vorbei ist - einen Karrieresprung. Die MBA-Schulen erwarten daher demnächst einen Boom an Bewerbern. Wer dann einen Studienplatz an einer renommierten Business School ergattern will, muss sich anstrengen.

Doch selbst wenn die Kreditkrise zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau im Finanzbereich führen sollte, werden die Folgen für die MBA-Absolventen nicht so gravierend sein wie 2002 und 2003, als selbst die Abgänger der Topschulen nicht so einfach einen Job fanden. Denn inzwischen rekrutieren weltweit immer mehr Unternehmen ihren Führungsnachwuchs unter den MBA-Studenten. Dazu gehören neben den - schon immer stark vertretenen - Unternehmensberatungen zunehmend auch Firmen aus der Industrie, aus der Gesundheitsbranche sowie IT-Unternehmen.

Das gilt in besonderem Maße für Deutschland. Hier waren die MBA-Absolventen noch nie so stark auf den Finanzbereich fokussiert wie in den angelsächsischen Ländern. Allerdings entdecken viele deutsche Unternehmen erst langsam die Vorteile einer MBA-Ausbildung. Und so richtig in Schwung wird der MBA-Markt wohl erst in ein paar Jahren kommen, wenn eine größere Zahl von Bachelor-Absolventen einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hat und sich dann mit einem MBA-Studium fit für eine Managementaufgabe machen will.
 
Von Bärbel Schwertfeger