Bewerbungsvideo - wie man erfolgreich vor der Linse glänzt

Wer nach der Optimierung seiner herkömmlichen Bewerbungsunterlagen noch etwas weiter gehen will, um seine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch zu erhöhen, sollte einmal über ein zusätzliches Bewerbungsvideo, einen sogenannten Personality Clip, nachdenken.

Mit einem solchen zwei- bis dreiminütigen Clip als Ergänzung zu den klassischen Unterlagen kann man sich von der Masse der Bewerber absetzen und einen authentischen Eindruck von seiner Persönlichkeit und Überzeugungskraft bieten. Über 90 Prozent der Wirkung gesprochener Worte wird durch Stimme und Körpersprache transportiert, der Inhalt spielt dabei eine fast verschwindend kleine Rolle, deshalb ist ein Video besonders geeignet, um Interesse beim Personalchef zu wecken.

Ein guter Personality Clip setzt professionelle Planung voraus
Damit der Personality Clip zum Sahnehäubchen einer Bewerbung werden kann und nicht für ungewollten Spott und Gelächter sorgt, sollte zuerst die wichtigste Bedingung erfüllt sein: eine professionelle Umsetzung. Dazu gehören ein modernes Equipment, ein Kameramann und Cutter, im Idealfall ein Coach zur Vorbereitung und sogar ein Maskenbildner.

Wer sich für einen anspruchsvollen Job bewirbt, sollte auf wackelige Amateuraufnahmen vor dem heimischen Bücherregal verzichten, auch von kostengünstiger Software, bei der man sein Video direkt mit der eingebauten Computerwebcam erstellt, ist abzuraten. "Ein Bewerbungsvideo von etwa zwei Minuten Länge sollte nicht mit zu vielen Ideen, ästhetischer oder inhaltlicher Art, überladen werden. Schnelle Schnitte, wilde Kameraschwenks oder zusätzliche Musik lenken zu sehr vom Bewerber ab", rät Peter Schulte, Videokünstler und Webdesigner.

Die perfekte Inszenierung
Das Outfit des Kandidaten sollte zum angestrebten Job und zu den Besonderheiten der Videokamera passen, denn zu dunkle oder zu helle Farben wirken im Bild schnell als einheitlich kühle Fläche, genauso wie karierte oder gemusterte Stoffe unruhig rauschen können. "Bei einer professionellen Beleuchtung erkennt man auch schnell die Notwendigkeit einer Maskenbildnerin, weil durch dezentes Make-Up Reflektionen vermieden, die Persönlichkeit eines Gesichts verstärkt und Nervositätsflecken und Schweißperlen verdeckt werden", sagt Medienprofi Schulte.

In Kombination mit einem Coach, der Verhaltenstipps und ein paar Lockerungs- und Sprechübungen gibt und beim Dreh als wichtiger Ansprechpartner zur Verfügung steht, kann so ein Videodreh schon recht aufwändig und damit auch unerwartet teuer werden. Ein halber Drehtag und der anschließende Schnitt des Materials sind ab etwa 500 Euro zu haben, mit Maske und Coach kann der Preis auch leicht vierstellig werden. Deshalb kann ein Video meist nur für eine Bewerbungsphase und nicht für eine spezielle Stelle gedreht werden.

Ein Personality Clip kann wie erwähnt nur als Ergänzung zum übrigen Material gesehen werden, der kurze Ausschnitt überträgt vor allem Emotionen. Deshalb sollten bei der Textvorbereitung die Fakten des Lebenslaufes keine große Rolle spielen. Dagegen kann man beispielsweise Fragen, die im Vorstellungsgespräch definitiv folgen werden, schon hier gezielt beantworten oder man widerlegt mögliche Klischees, wie die Unerfahrenheit eines Uni-Absolventen, der sich im Video verantwortungsbewusst und seriös verkauft. Auf keinen Fall sollten sich Personalverantwortliche beim Sichten langweilen, eine Beschränkung auf etwa drei Minuten folgt der Regel "Keep it short and simple". Und nur wer sich seinen eigenen Clip mehrmals mit Freude anschauen kann, legt ihn auch gerne seiner Bewerbung bei. Übrigens am besten als Link zu einer Passwort geschützten Seite, da in vielen Unternehmen fremde Medien wie CDs oder DVDs nicht abgespielt werden dürfen.
 
Von Manuel Boecker