Bewerbung - Telefoninterview souverän meistern

Immer mehr Personalverantwortliche nutzen das Telefoninterview als erste Instanz eines Bewerbungsverfahrens. Während das Unternehmen hier einfach die Spreu vom Weizen trennen kann, wird das Telefongespräch für den Bewerber leicht zur unüberwindbaren Hürde. Wer hier wegen mangelnder Vorbereitung oder aus übertriebener Leichtfertigkeit scheitert, verbaut sich die Chance auf ein persönliches Vorstellungsgespräch. Dabei ist es sehr einfach Souveränität zu zeigen.

Deshalb sollte sich ein Bewerber auf ein telefonisches Gespräch besonders vorbereiten. "Das größte Handicap beim Telefoninterview ist die fehlende Körpersprache", meint Dr. Albrecht Müllerschön, Personalcoach und Inhaber der gleichnamigen Unternehmensberatung. "Die visuelle Kommunikationsebene kann nicht so einfach ersetzt werden, deshalb ist es wichtig, am Telefon so konkret und ausführlich wie möglich zu bleiben und nicht ins Plaudern zu geraten."
Der Interviewpartner empfindet den souverän, der weiß, wovon er redet. Dies gelingt vor allem durch das schriftliche Festlegen einer Gesprächsstruktur. Welche Punkte des eigenen Lebenslaufs sollen angesprochen werden, besitze ich alle relevanten Informationen zum Unternehmen und wie antworte ich auf die obligatorische Frage nach meinen Stärken und Schwächen.

Ein Telefoninterview mit ruhiger Stimme führen ist der erste Schritt zur erfolgreichen Bewerbung
Daneben sollten natürlich die eigenen Bewerbungsunterlagen griffbereit sein, um sämtliche Namen und Jahreszahlen jederzeit parat zu haben. Die Orientierung an einem schriftlichen Gesprächsleitfaden hilft auch, wenn einem das Gespräch zu entgleiten droht oder nicht die Wendung nimmt, die man sich wünscht. "Durch Rückfragen wie Darf ich fragen? oder einer Zusammenfassung des bisher Gesagten lässt man sich die Gesprächsführung nicht so leicht aus der Hand nehmen", rät Dr. Müllerschön. Und falls man von zu großer Nervosität gehemmt wird, kann man auch das locker verbalisieren. Durch Sätze wie "Ich bin gerade sehr nervös, kann ich mir eigentlich gar nicht erklären" verfliegt die eigene Unsicherheit meist von selbst.

Da Meinungen und soziale Kompetenz am Telefon eher schlecht zu evaluieren sind, geht es beim Telefoninterview vor allem um das Abklopfen der fachlichen Kompetenz. Stimmen die Angaben des Bewerbungsschreibens mit den mündlichen Äußerungen überein, was motiviert den Bewerber für den neuen Job und wie sieht es eventuell mit den angekündigten Fremdsprachenkenntnissen aus. Da im Anschreiben die wenigsten Bewerber die geforderten Gehaltsvorstellungen angeben, nutzen Personalchefs das Telefoninterview vorab auch zur Klärung dieses Punktes.
"Dann sollte man keine Forderungen stellen, sondern seine Erwartungen klar und selbstsicher formulieren", sagt Dr. Müllerschön. "Und dabei natürlich realistisch bleiben."

Wirkung der Stimme beeinflusst den Gesprächspartner
Die Stimme und die Sprache sind beim Telefoninterview das Aushängeschild des Bewerbers, sie erzeugen auf jeden Fall eine bestimmte Fantasie beim Gegenüber, denn unser Gehirn vervollständigt die gehörte Stimme zu einem Gesamtbild. Daher ist es wichtig, sich der Wirkung von verschiedenen Sprechweisen bewusst zu sein. Um authentisch zu erscheinen, sollte man klar und einfach sprechen und ruhig etwas langsamer als im persönlichen Gespräch formulieren, da am Telefon Schnellsprecher meist unverständlich werden. Daneben sollte man keine Angst vor Pausen haben, Antworten werden nach inhaltlicher Relevanz und nicht nach Schnelligkeit bewertet. Hier hilft es vor dem Satz einmal ruhig ein- und auszuatmen, den "Gedanken" sozusagen erst einzuatmen, bevor man antwortet.

Wer wenig Erfahrung mit dem Telefoninterview hat, übt vielleicht mit einem Freund oder nimmt sich selbst auf Tonband auf. Für den Telefontermin selber müssen dann natürlich alle äußeren Bedingungen stimmen: Am besten legere Kleidung, ein ruhiger, geschlossener Raum und eine Sitzhaltung, als säße man dem Interviewer gegenüber. Lassen sie sich bei unpassenden Gelegenheiten nicht auf ein spontanes Interview ein, sondern verabreden Sie mit einer "Notlüge" einen neuen Termin. Denn zwischen Tür und Angel oder mit gepresster Stimme im Büro gerät man schnell ins halbherzige Plaudern und vergibt sich die Möglichkeit eines "echten" Vorstellungsgesprächs.
 
Von Manuel Boecker