Bewerben in schwierigen Zeiten

Ist die Krise nun vorbei? Oder doch noch nicht? Muss ich mich in der Krise anders bewerben als in krisenfreien Zeiten? Oder lieber nicht? Fragen wie diesen geht das  Buch "Bewerben in schwierigen Zeiten" nach.

Die Antwort gleich vorweg: Nein. In schwierigen Zeiten muss sich niemand anders bewerben als in "normalen Zeiten", falls es so etwas überhaupt noch gibt. Wer aber schlau ist, bedenkt aber bei seiner Bewerbung die Rahmenbedingungen, unter denen Personaler im Moment arbeiten.

1. Mappenflut
Weil im Moment viele, auch hoch qualifizierte Arbeitskräfte ihren Job verloren haben oder akut gefährdet sehen, gehen in den Unternehmen mehr Bewerbungen ein als sonst. Das heißt: Die Personaler, oder in kleinen Unternehmen die Geschäftsführer, haben viel mehr Arbeit als sonst, gleichzeitig haben sie weniger Jobs zu vergeben und deshalb überhaupt keine Lust, sich mit kreativem Schnickschnack zu beschäftigen. Sie wollen Bewerbungen, die durch Perfektion überzeugen.

2. Erfolgsdruck
Personaler stehen jetzt unter hohem Erfolgsdruck: Eine Fehlbesetzung kann ein krisengebeuteltes Unternehmen noch viel weniger wegstecken als ein gesundes. Deshalb spielen im Moment persönliche Kontakte eine besonders wichtige Rolle. Kandidaten aus dem eigenen Netzwerk oder aus den Netzwerken der Mitarbeiter vertrauen die Personaler mehr als denen, die keiner kennt. Jede dritte Stelle wird heute über Netzwerk-Kontakte besetzt. Gut zu wissen: Mit Netzwerken sind gar nicht nur geheimnisvolle Seilschaften auf Top-Manager-Ebene gemeint, sondern auch ganz normale Freunde, Familienmitglieder, Bekannte, Kollegen, Kunden, ehemalige Chefs bis hin zu Müller aus dem Segelclub oder Meier aus dem Kleingartenverein.

3. Ausreden
Wie ein großes Feuer ist die Finanzkrise für jeden sichtbar, für jeden spürbar. Im Moment kann deshalb jeder Bewerber behaupten, er habe seine Stelle wegen der Finanzkrise verloren. Dadurch ergibt sich für Personaler und für Bewerber die Situation, dass über das Thema Scheitern gesprochen werden muss, und zwar intensiver und anders als in fetten Jahren. Für Bewerber kann das eine Chance darstellen: Wer jetzt herausstellt, dass er durch die Krisenerfahrung erstens persönlich gereift ist, zweitens fachlich gereift ist und drittens jetzt erst recht motiviert ist, kann Pluspunkte sammeln.
 
Von Anne Jacoby