Betriebliche Altersvorsorge - Zubrot mit Langzeitwirkung

Wer heute jung ist, muss für sein Alter vorsorgen. Das vergleichsweise stattliche Einkommen der heutigen Rentnergeneration wird der Nachwuchs niemals erzielen. Unternehmen tun gut daran, den nachrückenden Mitarbeitern mit einer betrieblichen Altersvorsorge entgegen zu kommen.

Eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann wahre Wunder wirken. Neben dem Sicherheits- und Vorsorgeaspekt erlaubt sie klugen und vorausschauenden Arbeitgebern auch, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Doch davon sind viele deutsche Betriebe weit entfernt. 44 Prozent der Mitarbeiter in der Privatwirtschaft sind nach Angaben der Stuttgarter Sparkassen-Versicherung noch immer ohne betriebliche Altersversorgung.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren von Betriebsrente
Dabei klafft eine große Lücke zwischen Konzernen und Mittelstand. Nahezu jeder Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern besaß Ende 2008 laut Stiftung Warentest eine Rentenanwartschaft. In vielen kleinen Firmen jedoch wird das Thema bAV am liebsten totgeschwiegen. Nur jeder fünfte Beschäftigte spart laut einer Studie von TNS Infratest für sein Alter an.

Tatsächlich steht jedem Arbeitnehmer ein bAV-Angebot seines Arbeitgebers gesetzlich zu. Das in die bAV investierte Geld ist sicher und bringt steuerliche Vorteile für die Firmen. Am meisten praktiziert wird die Entgeltumwandlung. Hier zweigt der Mitarbeiter einen bestimmten Betrag seines Bruttogehalts oder das Weihnachts- oder Urlaubsgeld in eine Direktversicherung oder eine vom Arbeitgeber unterstützte Pensionskasse ab.

Mit Direktversicherung, Pensions- und Unterstützungskasse ebnen etwa die BMU Brinkmann Möbelelemente Ummantelungswerke in Hörstel ihren Mitarbeitern gleich drei Wege zur Betriebsrente. 80 Prozent der rund 120 Angestellten nutzen das Angebot und bringen im Schnitt 900 Euro im Jahr ein. Zehn Prozent zahlt der Chef obendrauf. Hat ein Mitarbeiter Ideen eingebracht, etwa zur Verbesserung von Produktionsabläufen, kommt eine Prämie hinzu.

Viele Unternehmen sträuben sich noch
Dass die bAV die Mitarbeiter zu höherem Engagement motiviert, davon ist das Heidelberger Software-Unternehmen Systematika überzeugt. Nicht zuletzt deshalb übernimmt der Arbeitgeber die Leistungen komplett selbst. Damit nicht genug: Zehn Prozent des Gehalts zahlt die Firma zusätzlich auf das Rentenkonto seiner Mitarbeiter. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Fluktuation im Betrieb sank quasi auf null.

Freilich ist kaum zu erwarten, dass sich Unternehmen angesichts solcher Vorbilder nun geradezu auf die betriebliche Altersvorsorge stürzen. Statt finanz- und personalpolitische Ziele geschickt zu verknüpfen, kritisieren viele Entscheidungsträger, mit einer bAV handle man sich nur Papierkram und Bürokratie ein. Das Festhalten an diesem unausrottbaren Vorurteil könnte sich einmal bitter rächen.
 
Von Winfried Gertz