Besserer Arbeitsschutz in ganz Europa

Arbeitsschutz ist ein heißes Eisen in der Wirtschaft. Weil vor allem kleine und mittlere Betriebe nachlässig sind, entstehen ihnen große Nachteile durch krankheitsbedingte Fehlzeiten und Produktionsausfälle. Welche Konsequenzen durch Missachtung des Arbeitsschutzes drohen und wie Firmen sich schützen können, wurde Mitte November auf einer Konferenz in Bilbao diskutiert.

Die baskische Metropole Bilbao ist Sitz der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Seit 1996 sammelt, erforscht und analysiert sie Informationen zum besseren Arbeitsschutz und gilt als die wichtigste Quelle für die EU zum Thema Arbeitssicherheit. Zusammengesetzt aus Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten, der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber, berät sie Unternehmen, wie bessere Arbeitsbedingungen einfach und effektiv erreicht werden können.

Kein Kostenfaktor
Eine Initiative, die kaum noch wegzudenken ist. "Bei mehr als täglich 450 arbeitsbedingten Todesfällen in Europa", sagte der Direktor der Agentur, Jukka Takala, "können Sicherheit und Gesundheitsschutz auch in der derzeitigen Wirtschaftskrise nicht als Luxus gelten." Millionen Menschen verletzen sich oder erleiden ernsthafte gesundheitliche Schäden bei der Arbeit. "Geld, das für die Gesundheit und Sicherheit unserer Arbeitnehmer aufgewendet wird", ergänzte der schwedische Arbeitsminister Sven Otto Littorin, "muss als Investition betrachtet werden und nicht als Kostenfaktor."

Immerhin 6 Prozent des europäischen Bruttoinlandproduktes gehen durch Arbeitsunfälle und Krankheit verloren. Das Problem belastet vor allem den Mittelstand. Aus einer neuen EU-Umfrage über arbeitsbedingte Risiken geht hervor, dass trotz der gesetzlichen Verpflichtung, regelmäßig Risk Assessments durchzuführen, rund 15 Prozent der Unternehmen mit 10 bis 50 Angestellten weder eine Gefährdungsbeurteilung noch eine Arbeitsplatzüberprüfung vornehmen. Befragt wurden insgesamt 36.000 Personen aus Firmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Bis auf Fischerei und Landwirtschaft waren alle Branchen repräsentiert.

Ruf des Arbeitgebers beeinträchtigt
So kommt es nicht von ungefähr, dass gezielte Prävention sowie entsprechende Korrekturen in der Arbeitsplatz- und Arbeitsablaufgestaltung auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen nachhaltig wirken. Das zeigten zahlreiche Projekte, die in Bilbao vorgestellt wurden. Unternehmen, die Arbeitssicherheit und die Gesundheit ihrer Beschäftigten ernst nehmen, sind auch auf dem Arbeitsmarkt im Vorteil. Littorin zufolge suchen immer mehr Beschäftigte ihre Arbeitgeber danach aus, wie sehr das Unternehmen in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investiere. "In Schweden", sagte Littorin, "macht bereits jeder vierte Bewerber seine Entscheidung davon abhängig."
 
Von Winfried Gertz