Berufliche Neuorientierung mit Mitte dreißig

Sie haben die ersten Karriereschritte geschafft, sich in einem Job eingelebt, eigentlich läuft alles bestens - und doch sind sie mit ihrer Situation nicht hundertprozentig zufrieden: Viele Berufstätige um die Mitte 30 starten noch mal von vorn.

Der eine wechselt den Beruf, der andere macht sich selbstständig, der Dritte erfüllt sich seinen Traum und geht ins Ausland - vor allem in der Zeit zwischen 30 und 40 haben viele das Gefühl, auf dem falschen Platz zu sitzen. "Oft werden Berufsentscheidungen im Herdentrieb geschlossen", nennt Karriereberaterin Dr. Wiebke Sponagel einen Grund für die Unzufriedenheit der Mittdreißiger. "Eltern, Freunde oder Bekannte geben nach der Schule vermeintlich gute Tipps zur Berufswahl - doch mit 18 Jahren ist kaum jemand in der Lage zu wissen, ob die Wahl wirklich die richtige ist." Nach einigen Jahren merkt man dann, dass der Job eigentlich gar nicht zu einem passt. "Vielen Menschen in diesem Alter wird bewusst, dass ihr Leben nicht unendlich ist und wollen die verbleibende Zeit lieber sinnvoll füllen, statt sie abzusitzen", so Wiebke Sponagel.

Selbstverwirklichung - Auswege aus der Jobkrise
Wer mit dem Gedanken spielt, sich noch einmal neu zu orientieren, sollte jedoch nicht übereilt handeln. Vorübergehende Unzufriedenheit kann auch andere Gründe haben: Mit Vorgesetzten und Kollegen schwimmt man nicht auf einer Wellenlänge, die Arbeit wächst einem über den Kopf, oder man fühlt sich unterfordert. Coach Wiebke Sponagel rät, sich im Zweifel erst einmal eine Auszeit zu nehmen und seine Situation aus der Distanz zu betrachten. "Wenn man merkt, dass die Unzufriedenheit tiefer sitzt, kann man überlegen, welche Alternativen infrage kommen."

Dazu braucht es natürlich Mut - Mut, die vertrauten Wege zu verlassen und sich ins Ungewisse zu begeben. "Darüber hinaus sollte man aber auch bereit sein, sich helfen zu lassen", betont Wiebke Sponagel. Gespräche mit Freunden, Gleichgesinnten oder sogar professionellen Beratern zeigen, ob die Idee umsetzbar ist. Und nicht zuletzt sollte man sich gut über die neue Welt, in die man eintreten will, informieren: Zur Selbstständigkeit etwa gibt es ebenso viele Informationen wie über das Auswandern oder über die neue Wunschbranche. Denn erst wer weiß, worauf er sich einlässt, kann realistisch abschätzen, ob der Weg machbar ist.

Erfolg vorprogrammiert
Viele, die sich beruflich neu orientiert haben, sind heute erfolgreicher denn je - auch wenn das gar nicht unbedingt ihr Ziel war. "Oft spielt Geld bei den Umsteigern gar keine so große Rolle. Sie sind vielmehr auf der Suche nach mehr Sinn", so die Beraterin. "Doch wer seine Aufgabe mit Freude erfüllt, hat meist von ganz allein Erfolg."
 
Von Sabine Olschner