Berater für den Job

Coaching boomt. Immer mehr Menschen suchen Unterstützung in der Einzelberatung. Doch der Markt ist undurchsichtig und die Suche nach einem guten Coach wird oft zum Glücksspiel.

Als Susanne H. in ihrem Job nicht weiterkam, wandte sie sich an einen Coach. Doch die Beratung entpuppte sich schnell als plumpe Anmache. "Der hat sich gezielt nach meinem Sexleben erkundigt", erzählt sie. Sie brach das Coaching ab und bekam postwendend eine saftige Rechnung inklusive einer Klageandrohung, falls sie nicht zahle. Dabei war Susanne H. keineswegs unvorsichtig. Schließlich war der Coach sogar Präsident eines Coachings-Verbandes, dessen Mitglieder sich "hohen qualitativen und ethischen Anforderungen" verpflichtet haben.

Wer einen Coach sucht, kann schnell auf die Nase fallen. Denn der Begriff wird längst inflationär benutzt und es fällt immer schwerer, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Vom frischgebackenen Psychologen über den geschassten Manager bis zum esoterischen Lebensberater haben viele im Coaching ein lukratives Betätigungsfeld entdeckt. Schließlich liegen die Stundensätze von 75 bis zu 300 Euro. Inzwischen bemühen sich etliche Coaching-Verbände um Qualitätsstandards. Doch die sind zum Teil recht niedrig und dahinter steckt oftmals ein ganz anderes Kalkül. "Viele dieser Professionalisierungsversuche dienen lediglich dazu, den Marktzugang der eigenen Mitglieder zu verbessern", sagt Stefan Kühl. In seiner qualitativen Studie über Coaching kommt der Soziologie-Professor an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg daher zu dem Resultat: "Scharlatane sind immer die anderen. Aber was einen guten Coach auszeichnet, sagt keiner." Auch die Selbstreinigungs-Mechanismen in der Coaching-Szene funktionieren nur sehr beschränkt. Viele wissen, dass ein Coach fragwürdig ist, aber keiner sagt es öffentlich - so wie im Fall von Susanne H.

Doch wie erkennt man einen guten Berater? "Da gibt es leider keinen Lackmustest", sagt Wolfgang Looss, Grandseigneur der deutschen Coaching-Szene. Denn beim Coaching gehe es ja nicht um die Eigenschaften eines Menschen, sondern um eine arbeitstragende Beziehung und da passt eben nicht jeder zu jedem. Looss empfiehlt, sich zunächst im eigenen Unternehmen zu informieren. Denn viele Firmen arbeiten heute bereits mit Coaches zusammen. Zudem könne man sich im Freundes- und Kollegenkreis umhören. Auf jeden Fall brauche ein Coach eigene Berufserfahrung, eine solide, mehrjährige Beratungsausbildung und er sollte sich regelmäßig einer Supervision stellen, bei der er seine Fälle mit einem Experten bespricht.

Für Susanne Alwart von der Heinze+Alwart Beratung in Hamburg muss auch die Fachkompetenz und Branchenerfahrung passen. Denn wer bisher nur Berufseinsteiger beraten hat, ist nicht unbedingt der Richtige für den Topmanager. Von einem Coach, der dabei gleich verspricht, das Problem in drei Sitzungen zu lösen, würde sie abraten. "Der Coach hat Verantwortung für die Methode, aber nicht für den Erfolg", betont Alwart. Daher müssten ihre Klienten stets auch zwischen den Sitzungen verschiedene Aufgaben bearbeiten. Häufig Anlässe seien die mangelhafte Identifikation mit dem Job oder Mobbing-Probleme.

Die Einzelberatung ist stets begrenzt und der Klient sollte sie jederzeit abbrechen können. Der Coach sollte ein kostenloses und unverbindliches Vorgespräch anbieten und dabei seine Vorgehensweise und den zeitlichen Ablauf darlegen. Bei ihrem Vorgehen setzen die Berater auf unterschiedliche Methoden. Das reicht von der Familientherapie bis zum Neurolinguistischen Programmieren (NLP).

Coaching ist jedoch keine Psychotherapie. Ziel ist es nicht, die Person zu verändern, sondern ihre Kompetenz im Job zu verbessern. Madeleine Leitner, Vorsitzende der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP), hält es dennoch für unverzichtbar, dass der Coach grundlegendes psychologisches Wissen hat. Die Psychologin erinnert sich an einen Bankmanager, der seinen Job aus Frust kündigen wollte, in Wirklichkeit aber unter einer bisher unerkannten Depression litt. "Das ließ sich mit Antidepressiva gut in den Griff bekommen und heute ist er froh, dass er damals nicht gleich alles hingeschmissen hat", erzählt die Psychologin. Doch viele Coaches würden solche Ursachen nicht erkennen. Leitner: "Die verschlimmern oftmals sogar die Probleme."
 
Von Bärbel Schwertfeger