Berater: Im Beschäftigtentransfer wird es ernst

In der Krise blüht das Transfergeschäft. Kritiker zweifeln aber an der angeblichen Erfolgsformel der Dienstleister. Statt von Entlassung bedrohten Beschäftigten neue Perspektiven aufzuzeigen, würden sie nur bei hohen Gewinnmargen geparkt. Nun kontert der Branchenverband BVTB mit einer Qualitätsoffensive.

Kern der Kritik ist nach wie vor das ungeschützte Berufsbild des Beraters. So kann sich jeder nennen, eine verbindliche Ausbildung fehlt. Kein Wunder, dass es um den Ruf des Beschäftigtentransfers nicht sonderlich gut bestellt ist. Diese offene Flanke will der BVTB nun mit einer Qualifikationsoffensive schließen. "Berater im Transfer" soll ein geschützter Titel werden und nur Fachkräfte auszeichnen, die erfolgreich ein strenges Qualifikationsprogramm absolvieren. "Manch ein Anbieter setzte bei der Positionierung am Markt eher auf günstige Preise als auf hohe Qualität. Das spiegelte sich auch in der Kompetenz der Berater wider", sagt Renate Herzbeck, Sprecherin des BVTB-Arbeitskreises Qualifizierung.

Was die Berater können müssen
Mit ihrer Initiative, die gezielt Fähigkeiten und Kenntnisse der Berater stärken soll, verfolgen die Verantwortlichen das Ziel, die Qualität im Transfergeschäft zu heben. Mehr Effektivität und Effizienz soll unter dem Strich bleiben - und deutlich höhere Transparenz: Potenzielle Auftraggeber sollen vor einem Deal erfahren, wie es um die Kompetenz des Dienstleisters und seiner Belegschaft bestellt ist.

Berater, die bereits im Transfergeschäft tätig sind, müssen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine rund 80 Stunden umfassende Zusatzqualifikation durchlaufen. Einsteiger absolvieren dieses Training wie in der Wirtschaft verbreitet als Trainees. "Ohne Nachweis eines einschlägigen Studiums und entsprechender Berufspraxis soll künftig niemand mehr als Berater zum Zuge kommen", teilt Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschaftsakademie und BVTB-Vorstand auf Nachfrage mit. Gefragt seien Bewerber, die über ein abgeschlossenes Studium im psychosozialen Bereich verfügen und idealerweise mindestens eine dreijährige berufliche Erfahrung in themennahen Bereichen vorweisen können.

Qualitätsnachweis erforderlich
Wer einschlägige Erfahrungen in der Personalentwicklung oder etwa der Aus- und Weiterbildung gesammelt hat, muss im Rahmen der Zusatzqualifizierung mindestens zehn Stunden Einzelberatung nachweisen. Und das müssen Berater im Beschäftigtentransfer können: Sie verknüpfen ihre pädagogischen und psychologischen Kenntnisse mit betriebswirtschaftlichem Wissen, gehen möglichst sensibel auf Menschen und ihre zum Teil existenziellen Probleme ein und stellen Durchsetzungsvermögen unter Beweis. Niemand wird Berater, der sich in bestimmten Arbeits- und Berufsbereichen nicht auskennt.

Mit der Zusatzqualifikation zum "Berater im Transfer" ergänzt der BVTB sein ambitioniertes Zertifizierungsprogramm. Offiziell zertifiziert sind bisher 18 Dienstleister. Damit folgt der Verband dem erklärten Willen des Gesetzgebers, die Mittelvergabe bei der beruflichen Reintegration von Beschäftigten stärker an Qualitätsnachweise zu koppeln und die Quote über die erfolgreiche Vermittlung von Beschäftigten in Transfermaßnahmen zu verbessern.
 
Von Winfried Gertz