Barbie als Vorbild

Breite Hüften, starke Arme, gesunde Zähne und eine gute Mitgift, das war alles, was die Frauen in vielen Jahrhunderten als weibliches Kapital gebraucht haben. Kinder kriegen, schwer arbeiten und (sich) gut (durch)beißen können, um nicht zu verhungern. Schmale, zarte Wesen waren relativ schnell krank und hinüber und darum auf dem Heiratsmarkt schwer loszukriegen.

Die Ehen wurden von den Eltern arrangiert und die körperliche Attraktivität der zukünftigen Schwiegertochter nebensächlich, das Erbe und die Mitgift hauptsächlich. Die Kirche hat dafür gesorgt, dass die Frauen immer weniger an dem öffentlichen Leben teilnehmen durften. Wer kennt sie nicht die drei K's: Kinder, Kirche, Küche. Die drei K's erlaubten keine Berufe und keine Bildung für Frauen, damit verschwand auch jede Möglichkeit, sich Ansehen, Selbstbewusstsein und noch wichtiger, eigenes Geld zu verdienen. Es gab nun keinen Weg mehr für sich selbst zu sorgen, nur durch eine Heirat war die Existenz gesichert.

Von der Hausfrau zur Stilikone
Die körperliche Schönheit wurde zur Überlebensfrage. Hier begann der Rivalitätskampf der Frauen, der bis in unsere Tage weiter geführt wird. Wer es nicht glaubt, der sollte seine Frau oder Freundin fragen, für wen sie sich schick macht. Es sind immer die anderen Geschlechtsgenossinnen, die beeindruckt werden sollen. Es ist ein Verhaltensmuster, das sich seit Generationen erhalten hat. Das wahre Leid der Frauen mit ihrer Schönheit begann aber erst vor 50 Jahren.
Als Barbie kam.

Bis dahin war es die Aufgabe der Puppen, die kleinen Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Mutter und Hausfrau vorzubereiten. Das Puppenkind wurde gewickelt, gefüttert, umgezogen und auch geherzt, das Aussehen der Puppenmutter war absolut kein Thema. Die Vorbildfunktion hatten die Frauen im sozialen Umfeld der kleinen Mädchen. Natürlich wurde von schönen Kleidern geträumt. Aber nicht von einem wohlgeformten Busen und langen Beinen.
Die Mädchen begannen, das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, einem Schönheitsideal hinterher zu laufen, das zu 100 Prozent unerreichbar ist, weil es aus 100 Prozent Plastik besteht und die Proportionen völlig unnatürlich sind.
Wie ein Esel, dem man die Karotte vor die Nase bindet und der los rennt, um sie zu kriegen, versuchen Mädchen diesem Ideal zu entsprechen.

Gestörte Selbstwahrnehmung
Für eine Studie hatten die Forscher unter Leitung der Psychologin Helga Dittmar rund 200 Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren die Bilder von verschiedenen Puppen gezeigt - darunter auch Barbie und eine Puppe mit natürlicheren Proportionen. Anschließend wurden die Kinder gefragt, ob sie mit ihrem eigenen Körper zufrieden sind. Die Mädchen, die mit Barbie konfrontiert wurden, waren deutlich unzufriedener.

Es werden Milliarden damit verdient, dass sich Frauen nicht mehr mögen, so wie sie sind und wenn ich nicht aufpasse, so züchte ich meine Töchter zur nächsten unglücklichen Mädchengeneration heran. Es ist an uns Frauen, dem Spuk endlich ein Ende zu machen und eines weiß ich ganz genau - die Männer werden uns dafür lieben.
 
Von Adriane Böhm