Back to School

Immer mehr erfahrene Führungskräfte frischen ihre Managementkenntnisse in Kurzprogrammen an internationalen Business Schools auf. Vergleichbare deutsche Angebote sind bisher nicht in Sicht.

In Deutschland wird einem doch nirgends beigebracht, wie man führt, bedauert Carsten Voigtländer, seit Januar Chef der Textilsparte des Schweizer Maschinenbauunternehmens Saurer. Da behilft man sich doch meist mit dem Learning by Doing. So habe auch er sich vom Spezialisten immer mehr zum Generalisten entwickelt und sei dadurch mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert worden.

Im vergangenen Jahr hat der promovierte Ingenieur daher das vierwöchige Advanced-Management-Programm (AMP) an der renommierten Business School Insead in Fontainebleau bei Paris besucht. Das Niveau und die Intensität der Gespräche waren einfach enorm, schwärmt er. Plötzlich merkt man, dass Manager aus anderen Branchen ganz ähnliche Probleme haben. Ein wesentlicher Vorteil sei dabei auch die Internationalität von Teilnehmern und Dozenten gewesen. Wie Voigtländer drücken immer mehr erfahrene Führungskräfte die Schulbank, um in einem mehrwöchigen General-Management-Programm an einer internationalen Business School ihr Wissen aufzufrischen und zu erweitern.
So ist die Zahl der deutschen Teilnehmer an offenen Managementkursen bei der London Business School (LBS) in den vergangenen fünf Jahren um über 75 Prozent gestiegen. Fast die Hälfte davon hat dabei ein General-Management-Programm besucht. Die deutschen Unternehmen schätzen unsere Internationalität, unseren fundierten akademischen Ansatz und die Relevanz für das Geschäft, sagt Ian Hardie, Associate Dean für Executive Education an der LBS. Zudem habe London als Unterrichtsort eine starke Attraktivität. Die nützt auch die Chicago Graduate School of Business mit ihrem neuen Campus in London und bot dort im Herbst erstmals das sechswöchige Advanced-Management-Programm an. Vorteil des Kurses sei die große Flexibilität, erklärt Mike Malefakis, Direktor für Executive Education. So können die sechs Wochen in einwöchigen Modulen verteilt über ein Jahr absolviert werden und auch inhaltlich kann jeder Teilnehmer das Programm seinen Bedürfnissen anpassen. Wer etwa kein Basiswissen im Finanzbereich benötige, könne ein anderes Fach wählen.
Seit zwei bis drei Jahren ist Deutschland für uns einer der am stärksten wachsenden Märkte, beobachtet Peter Lorange, Präsident des IMD in Lausanne. Dabei verzeichnete die renommierte Business School im vergangenen Jahr eine Rekordnachfrage bei den Kurzprogrammen. 540 Manager nahmen allein an dem sechstägigen Flagschiff-Programm Orchestrating Winning Performance teil, bei dem alle 55 Professoren ihre neuesten Kenntnisse präsentierten. Bei dem zehnwöchigen Programm for Executive Development (PED) für 35- bis 45-jährige Führungskräfte gibt es bereits lange Wartelisten. Das Erfolgsrezept sieht Lorange in der neuesten, fachübergreifenden Forschung und in der Praxiserfahrung der Professoren. Erfahrene Manager suchen den Dialog und die Lösung ihrer konkreten Probleme, betont der IMD-Chef.

Ein vergleichbares Angebot fehle bisher in Deutschland, sagt Insead-Teilnehmer Voigtländer. So gehe es in den angebotenen Seminaren in erster Linie meist um theoretische Inhalte. Die Kunst bestehe jedoch darin, an das Erfahrungswissen der Manager anzuknüpfen und ihnen etwa mit Hilfe von Fallstudien die entsprechende theoretische Grundlage zu vermitteln.
Die Professoren an den Universitäten haben meist zu wenige Kenntnisse von der Unternehmenswelt und auch ihre Forschung ist zur sehr auf die Wissenschaft ausgerichtet, beobachtet Kai Peters, CEO der britischen Ashridge Business School. Zudem erfordere der Unterricht einen völlig anderen Lehrstil. Hier ist der Professor eher ein Facilitator, der weiß, wie man mit Managern spricht, sagt Peters. Dabei beobachtet der Ashridge-Chef eine zunehmende Nachfrage nach weichen Themen. Denn die kreative Wissensindustrie funktioniere nicht wie eine Fabrik. Peters: Heute wollen Manager vor allem wissen, wie sie Teams motivieren und ihre Strategien mit ihren Mitarbeitern umsetzen können.
 
Von Bärbel Schwertfeger