Bachelor oder Lehre

Wer die Schule verlässt, hat mehrere Optionen. Einige nehmen eine Auszeit und gehen auf Weltreise. Die meisten beginnen zu studieren oder entscheiden sich für eine Ausbildung. Eine neue Studie zeigt, worin sich die beiden Alternativen auszeichnen und wo Stolpersteine sind.

Seit Einführung der neuen Bachelor-Abschlüsse schauen Personaler genauer hin, wen sie einstellen. Eignet sich der BWL-Absolvent nach dreijährigem Studium mehr als der Bewerber mit abgeschlossener kaufmännischer Ausbildung? Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar: Vom Absolventen kann man einfach mehr erwarten. Während der Ex-Azubi sich ohne Einarbeitungszeit sofort in betriebliche Abläufe einfügen kann, zeichnet es den Bachelor aus, abstrakt und konzeptionell vorzugehen.

Mit Ausbildung Karriere machen
Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums schauten Wissenschaftler des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) genauer hin, wie sich Absolventen der unterschiedlichen Zweige schlagen. Zunächst sind die Gemeinsamkeiten des Bachelorstudiums und der dualen Ausbildung nicht von der Hand zu weisen. Beide dauern drei Jahre, und die Studienprofile für den Bachelor sollten laut Kultusministerbeschluss an der beruflichen Praxis ausgerichtet und nicht rein akademisch sein. Damit stehen beide Alternativen im Wettbewerb miteinander.

Absolventen einer beruflichen Ausbildung sind als Fachkräfte geschätzt. Mit gezielter Weiterbildung können sie in höhere Positionen aufrücken und attraktive Einkommen erzielen. Laut IW üben mehr als zwei Drittel der beruflich Ausgebildeten im Angestelltenverhältnis qualifizierte Tätigkeiten aus. 16 Prozent besetzen sogar eine leitende Position. Und wer erfolgreich eine Aufstiegsfortbildung zum Meister oder Techniker absolviert hat, dessen Chancen steigen immens, Führungsaufgaben wahrzunehmen.

Im Vergleich der Gehälter ergibt sich ein differenziertes Bild. Wer studiert hat, verdient mehr. In gleicher Position erzielen Hochschulabsolventen höhere Einkommen als ihre Konkurrenz. Erhalten Absolventen im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 3.100 Euro, wird der Ex-Lehrling bei 2.300 Euro angestellt. Kann er gezielte Weiterbildung vorweisen, steigt sein Einstiegsgehalt auf 2.800 Euro. Weist der Hochschulabsolvent beruflich relevante Trainingszertifikate vor, steigt sein Gehalt zusätzlich um 600 Euro.

Koexistenz statt Konkurrenz
Laut IW sind die Gehaltsunterschiede auf verschiedene Jobprofile zurückzuführen. Fachkräfte mit Fachhochschuldiplom müssen kreativer und flexibler sein, stehen häufiger unter Termindruck und sind oft für mehr Mitarbeiter verantwortlich. Absolventen der dualen Ausbildung, die Fortbildungen besucht haben, werden attraktiv entlohnt, wenn sie technische Arbeitsabläufe kontrollieren und für einen reibungslosen Produktionsablauf sorgen.

Angesichts des Fachkräftemangels müssen beide beruflichen Einstiegswege attraktiv sein. Das IW regt daher an, die duale Ausbildung durch Fremdsprachenangebote sowie Praktika im Ausland aufzuwerten und enger mit der Weiterbildung zu verzahnen. Umgekehrt sollte Berufspraktikern der Zugang zum Studium erleichtert werden. Dank bereits im Beruf erworbener Credit-Points könnte das Studium wesentlich kürzer ausfallen. Ob damit die relativ hohen Abbruchquoten von Bachelorstudenten eingedämmt werden, steht auf einem anderen Blatt. Neuesten Studien des Hochschul-Informationssystems HIS zufolge ist die Situation an Fachhochschulen grenzwertig. Knapp 40 Prozent brechen das Studium vorzeitig ab, vor allem Ingenieur- und Wirtschaftsstudenten halten nicht durch.
 
Von Max Leonberg